Und das Lied verstummt nicht
Die Musik Lateinamerikas ist seit der Ankunft der europäischen Eroberer ein Schmelztiegel unterschiedlichster Einflüsse. Der postkoloniale Diskurs versteht Kulturtransfer dabei überwiegend als «kulturelle Aneignung». Diese Kritik an als dominant bezeichneten Kulturen, die sich kulturelle Errungenschaften von Minderheiten aneignen, verweist auf den unbestreitbaren Gewaltzusammenhang von Eroberungen. Dass die Geschichte ungleich komplexer ist, lehrt Lothar Krafts Buch «Lasst nicht zu, dass unser Lied verstummt», das voll ist mit verblüffenden Zusammenhängen.
Kraft spürt den Verbindungen von europäischer Musik mit den vorgefundenen Traditionen in Lateinamerika nach und zählt zahllose Beispiele hybrider Musikkultur auf, die sogenannte «musica mestiza», verkörpert etwa durch den 1945 geborenen Kolumbianer Francisco Zumaque. Sein Werk reicht vom klassisch inspirierten Streichquartett bis hin zu «Colombia Caribe», der Nationalhymne für die kolumbianische Fußballnationalmannschaft.
Das umfassendste Kapitel («Musik und Gesellschaft in Brasilien») schildert, wie im Jahr 1500 die Portugiesen das Land betraten und in Porto Seguro gleich eine erste Messe feierten. Anwesend waren 1200 Europäer ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Regine Müller
Natürlich, der Text! Anders als beim «Rosenkavalier» und den darauf folgenden Opern hat Hugo von Hofmannsthal seine «Elektra» nicht für Strauss geschrieben, sondern für die Schauspielerin Gertrud Eysoldt. Der Text wartet nicht auf Musik. Er kämpft sich autonom vorwärts, was Klang, Rhythmus und Kraft betrifft. Er fordert neue Extreme der Empfindung. Es ist...
Als im Februar 2022 – als Resultat einer halbhundertjährigen editorischen Herkulesarbeit – der letzte Band der Kritischen Ausgabe «Sämtlicher Werke» Hugo von Hofmannsthals erschien, war eine der größten bibliografischen Lücken in der Wunderkammer der Weltliteratur geschlossen und ein Œuvre erfasst, welches in seiner stilistischen, semiotischen und literarischen...
Herr Tsangaris, Herr Ott, wenn man auf die inzwischen ziemlich lange und reiche Geschichte der Münchener Biennale blickt, kann man vielleicht zunächst zwei Phasen unterscheiden. Gründer Hans Werner Henze setzte gern auf junge Künstlerinnen und Künstler, auch aus seinem unmittelbaren Umfeld, Peter Ruzicka als zweiter Biennale-Chef wollte vor allem Komponistinnen und...
