Plakat als Prinzip
So viel gereckte Fäuste, wütend im Widerstand gegen eine verkehrte Welt. Später dann, am zweiten Abend des zweiteiligen, von Krystian Lada arrangierten Verdi-Pasticcios an Brüssels La Monnaie: so viel Pistolengefuchtel wie lang nicht mehr gesehen; schließlich geht es ja um die Geschichten von ein paar Männern und Frauen, damals, 1968, und 40 Jahre danach. Zwischen den Fäusten und den Pistolen tut sich die Frage auf, wie sie es mit der Gewalt hielten und halten.
Laura zum Beispiel, die Geige spielt, rauchend und mit Ulrike-Meinhof-Pony, träumt erst von der friedlichen Veränderung der Verhältnisse, dann aber geht sie den Weg in den bewaffneten Widerstand; sie wird ihn nicht überleben. Am Ende erscheint noch einmal ihr Geist, sie spielt das brillante Violin-Solo aus «I Lombardi», für diejenigen, die um sie trauern und die sich ihre je eigenen Geschichten über Lauras Ende erzählen, diktiert von der Schuld und der Verzweiflung darüber, dass es so kommen musste, ob es anders hätte gehen können, und der Frage, was bleibt.
Was bleiben wird von der Revolution, fragt gleich zu Beginn Cristina, die Dokumentarfilmerin, ihre Freunde, Lauras Bruder Giuseppe, den sie liebt, Carlo, mit dem auch ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Holger Noltze
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Der «Lear» machte ihn 1978 schnell berühmt. Nicht nur durch die Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper: Es waren kleinere Häuser wie Düsseldorf, Nürnberg und Oldenburg, in denen diese Oper sofort fesselte. Nahezu haptisch greifbare Cluster, Akkordwände, die scharf kontrastieren zu äußerster melodischer Verdichtung, Einsamkeit, Innigkeit: Aribert Reimann schrieb...
Als im Februar 2022 – als Resultat einer halbhundertjährigen editorischen Herkulesarbeit – der letzte Band der Kritischen Ausgabe «Sämtlicher Werke» Hugo von Hofmannsthals erschien, war eine der größten bibliografischen Lücken in der Wunderkammer der Weltliteratur geschlossen und ein Œuvre erfasst, welches in seiner stilistischen, semiotischen und literarischen...
