«Theater hat immer mit der Welt zu tun»
Frau Höckmayr, fangen wir mit einem ganz einfachen Thema an – mit der Macht. Was fällt Ihnen zu diesem Topos ein?
Macht ist davon abhängig, wie sie benutzt wird. Sie kann beschneiden, sie kann ermöglichen. Und: Wir müssen sehr präzise sein, bevor wir schimpfen. In der Politik, wie im Opernbetrieb, sind die Details zu komplex, um zu verallgemeinern. Mein Blick auf die Macht hat sich mit der Zeit verändert. Eine machtvolle Position ist ein Amt und vorübergehend, und es ist sehr wichtig, dass sich der Machtinhaber darüber bewusst ist.
Wie definiert sich die Macht eines Intendanten? Definiert sie sich durch die vorgefundenen hierarchischen Strukturen? Durch Verträge? Durch persönliche Autorität? Zuweilen gewinnt man ja auch heute noch den Eindruck, dass sich Intendanten in dieser nach wie vor patriarchal organisierten Opernwelt wie die letzten Menschen (daneben)benehmen dürfen, einfach deswegen, weil ihnen die Struktur die Möglichkeit dazu in die Hände gibt …
Oper entspringt einer feudalistisch-aristokratischen Tradition, ja, das ist manchmal noch immer spürbar. Dieser Anteil unseres Systems weist aber inzwischen starke Risse auf, quasi wie ein Porzellankörper, durch den sich fast ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Interview, Seite 36
von Jürgen Otten
Wolfgang Rihms Musiktheater «Die Hamletmaschine», 1987 in Mannheim uraufgeführt, hat immer Respekt erfahren, aber dazwischen verging jedes Mal sehr viel Zeit. Geradezu enigmatisch ist Heiner Müllers Textvorlage, immens der Aufwand. Nur wer zu beidem bereit ist – großen Aufwand für unlösbare Rätsel zu betreiben –, hat etwas davon. Zum Beispiel das Staatstheater...
Von diesem Abend behält man vor allem den Raum in Erinnerung. Ralf Käselau hat, mit einfachsten Mitteln, aber szenisch wirkungsvoll, bei offenem Vorhang eine Art Zirkusarena auf die Bühne gebaut und sie, leicht versetzt, über den hochgefahrenen Graben bis in den Zuschauerraum vorgezogen. Das kleine Orchester sitzt abseits links an der Wand, der Dirigent steht mit...
Rodion Schtschedrins erstes Bühnenwerk «Nicht nur Liebe» markierte 1961, zu Zeiten der relativen Entspannung durch Chruschtschows Politik, eine bedeutende Wende in der sowjetischen Oper. Das stilistisch innovative Werk, ein postmodernistisches Zusammenspiel aus verschärfter Rhythmik à la Strawinsky und vertiefter Dramatisierung à la Mussorgski, zog sofort große...
