«Theater hat immer mit der Welt zu tun»
Frau Höckmayr, fangen wir mit einem ganz einfachen Thema an – mit der Macht. Was fällt Ihnen zu diesem Topos ein?
Macht ist davon abhängig, wie sie benutzt wird. Sie kann beschneiden, sie kann ermöglichen. Und: Wir müssen sehr präzise sein, bevor wir schimpfen. In der Politik, wie im Opernbetrieb, sind die Details zu komplex, um zu verallgemeinern. Mein Blick auf die Macht hat sich mit der Zeit verändert. Eine machtvolle Position ist ein Amt und vorübergehend, und es ist sehr wichtig, dass sich der Machtinhaber darüber bewusst ist.
Wie definiert sich die Macht eines Intendanten? Definiert sie sich durch die vorgefundenen hierarchischen Strukturen? Durch Verträge? Durch persönliche Autorität? Zuweilen gewinnt man ja auch heute noch den Eindruck, dass sich Intendanten in dieser nach wie vor patriarchal organisierten Opernwelt wie die letzten Menschen (daneben)benehmen dürfen, einfach deswegen, weil ihnen die Struktur die Möglichkeit dazu in die Hände gibt …
Oper entspringt einer feudalistisch-aristokratischen Tradition, ja, das ist manchmal noch immer spürbar. Dieser Anteil unseres Systems weist aber inzwischen starke Risse auf, quasi wie ein Porzellankörper, durch den sich fast ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Interview, Seite 36
von Jürgen Otten
Pique Dame beeindruckt mich nicht, zu diesem Sujet würde ich nur Minderwertiges schreiben können.» So Peter Iljitsch Tschaikowsky 1888 in einem Brief. Zwei Jahre später hatte er es sich anders überlegt und seine dritte Puschkin-Oper – nach «Eugen Onegin» und «Mazeppa» – binnen eines guten Monats aufs Papier geworfen. Ein wenig zu schnell. Neben den späten...
Rodion Schtschedrins erstes Bühnenwerk «Nicht nur Liebe» markierte 1961, zu Zeiten der relativen Entspannung durch Chruschtschows Politik, eine bedeutende Wende in der sowjetischen Oper. Das stilistisch innovative Werk, ein postmodernistisches Zusammenspiel aus verschärfter Rhythmik à la Strawinsky und vertiefter Dramatisierung à la Mussorgski, zog sofort große...
Die Hoffnung stirbt nie. Selbst im Angesicht des nahenden Todes nicht. Hören kann man es in Leonoras Doppel-Arie zu Beginn des siebten Bildes von Verdis «Il trovatore». Schwebt das Unheil im schwermütigen f-moll-Adagio «D’amor sull’ali rosee» (Auf den rosigen Flügeln der Liebe) noch wie ein Damoklesschwert über der schicksalsträchtigen Beziehung der jungen Frau zu...
