Unbezwingbar
Bis vor einiger Zeit gab es sie nur als Sacerdotessa: Auf Antonio Pappanos 2015 veröffentlichter «Aida» mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann ließ Eleonora Buratto ihren feinen, doch reichhaltigen Sopran vernehmen – und aufhorchen. Damals singspielte sie sich noch durchs lyrische Leben, mit Donna Anna, Fiordiligi oder Liù. Spätestens im Mai 2024 dann, als Zentralgestirn einer neuen Münchner «Tosca», das Erstaunen und die Vokalvorführung: Ja, eine solche Stimme kann sich tatsächlich gesund weiten und dehnen, unforciert, mit einem Zugewinn an Farben und Tiefendimension.
Der Sprung zur Madama Butterfly (gerade unter Kirill Petrenko in Baden-Baden und Berlin) oder zur Leonora im «Trovatore» (aktuell in London) schien logisch. Wer noch bei der jüngsten «Tosca»-Einspielung unter Daniel Harding hoffte, die Italienerin habe eine Stressphase während der Aufnahmetage erwischt, muss sich eingestehen: Eleonora Buratto scheint das neue Fach nicht ganz zu bekommen. Zumal sie sich nun, bei ihrer ersten Solo-CD, auf einem dritten Biotop tummelt: im Belcanto.
Das Album ist keine Schnipsel-Parade, sondern vereint zusammenhängende Szenen. Das ist Eleonora Buratto anzurechnen. Auch dass sie nicht als ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 37
von Markus Thiel
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Selbst Ungläubigen muss der Begriff des Heiligen Geists in den Sinn kommen, wenn siebzig Minuten vor der Uraufführung einer Oper über den heiligen Franziskus auf dem Ulmer Bahnhofsvorplatz von St. Michael zu den Wengen und St. Georg herüber plötzlich Freudengeläut zu vernehmen ist. An diesem 8. Mai bedeutet das nichts anderes, als dass im fernen Rom ein Nachfolger...
