Klang des Lebens

Adèle Charvet ist die Königin im Live-Mitschnitt von Nicola Antonio Zingarellis «Giulietta e Romeo» aus Versailles – und das Orchestre de l’Opéra Royal ihr selbstbewusster Diener

Opernwelt - Logo

Die Geschichte ist nicht ganz neu: Eine Frau liebt einen Mann, und der liebt sie. Das Problem: Ihr Vater hat einen anderen für sie ausgesucht. Was die Angelegenheit ins Katastrophische weitet, ist die Tatsache, dass der von der Tochter Erwählte vom Vater zusätzlich zum Feind erklärt wird. Etliche Opern gerade italienischer Provinienz bis weit ins 19.

Jahrhundert hinein sind nach diesem Muster gestrickt, und da auch Shakespeares «Romeo and Juliet» danach verfährt, lag es nahe, dass auch der Mozart-Zeitgenosse Nicola Antonio Zingarelli, einer der renommiertesten neapolitanischen Meister, diesen Stoff zu einer Tragedia della musica ausformte. Das Libretto ließ er sich von Giuseppe Maria Foppa dichten; der bediente sich aber weniger beim englischen Original, sondern wählte die (Shakespeare nachempfundene) Tragödie «Roméo et Juliette» des französischen Dramatikers Jean François Ducis zur Vorlage.

Aus Capulet wird hier Everardo Cappellio, während Romeo seinen Namen behalten darf: Er ist ein Montecchio, wie er im Buche des englischen Genies steht. Und wie im Ori -ginal, so tötet er auch in Zingarellis Bühnenwerk den Kontrahenten Teobaldo (Tybalt) in einem fairen Wettkampf, löst damit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
von Olga Myschkina

Weitere Beiträge
Eine singuläre Größe

Dass sie zu den bedeutendsten Komponisten Polens zählt, haben ihre Landsleute nie in Frage gestellt. Grażyna Bacewicz verkehrte als Gleiche unter Gleichen; alle namhaften Dirigenten von Grzegorz Fitelberg bis Witold Rowicki haben ihre Werke aufgeführt, Witold Lutosławski und ihr Lehrer Kazimierz Sikorski, beide eminente Symphoniker, schätzten Bacewiczs...

Schimpfen und Kaspern

Bald lautet das Motto fürs Kasseler Opernhaus «Und nu ist zu!». Es wird saniert, mehrere Jahre lang. Musiktheater gibt es in der Ausweichspielstätte mit dem passend-schönen Namen «Interim». Mal abwarten, ob das Ganze keine Dauerlösung wird ...

Indes war es konsequent, mit der letzten Premiere im baufälligen Haus Julia Lwowski zu beauftragen, die sich schon oft als...

Wahn, Sinn und Methode

Der Mensch, so hat es, sehr spitzfindig und süffisant, einmal T. S. Eliot formuliert, ist nicht imstande, viel Realität zu ertragen. Was häufiger, als man gemeinhin denken sollte, zur Folge hat, dass dieser Mensch dann in eine Traumwelt entflieht, dorthin, wo er zumindest das Gefühl, eine Ahnung von Freiheit hat, auch wenn dies nur eine Fata Morgana ist, die ihm...