Unaufwändig intensiv
John Dews mutiger Versuch, Gustave Charpentiers einst ungeheuer erfolgreiche «Louise» von 1900 zusammen mit ihrer (dramaturgisch und harmonisch) ungleich moderneren Fortsetzung «Julien» (1913) am Dortmunder Theater neu zu entdecken, blieb vor acht Jahren ein Einzelfall – die Vorlieben unserer Ahnen sind eben nur bedingt zu revitalisieren. Im Fall der «Louise» ist es vor allem das von Charpentier selbst gezimmerte Libretto, das dem kritischen Blick der Moderne nicht mehr standhält.
Zwar wurde erstmals der Naturalismus eines Émile Zola konsequent auf die Opernbühne versetzt und das Milieu der sozial Unterprivilegierten (aus dem Charpentier selbst stammte) im Paris seiner Gegenwart abgebildet. Doch alle Figuren singen im «großbürgerlichen» Idiom von Charpentiers Lehrer Massenet und werden vom reich besetzten Orchester in einen parfümierten, mit Erinnerungsmotiven angereicherten Klang gebettet, dass dem «Milieu» letztlich der eigene Ton versagt bleibt. Im Übrigen wirkt die Geschichte um die Emanzipation der Näherin Louise aus den Fängen ihrer Familie durch die Liebe zum Dichter Julien bei den Figuren – zumal des Vaters, eines patriarchalischen Monsters – derart klischeehaft ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Anna Netrebkos Karriere weckt die Erinnerung an ein anderes Glamour Girl, das Ende der 1950er-Jahre kometengleich aufstieg, um ein Jahrzehnt später als Sternschnuppe zu verglühen: «La Moffo». Wie Netrebko hat auch Anna Moffo weniger durch ihre Stimme als durch ihre physische Attraktivität die Blicke der Männer- und Medienwelt auf sich gelenkt. Dass Moffos Ruhm...
Rostock ist überall, kurzsichtiges Kaputtsparen in Kommunen keine deutsche Spezialität. Aus dem norwegischen Bergen ist jetzt ein klassischer Fall von Kulturdemontage zu vermelden. Dort wurde der seit Jahren erfolgreich arbeitenden Vest Norges Opera kurzerhand die Subvention gestrichen. 1981 von der Dirigentin Anne Randine Øverby auf privater Basis gegründet und...
Ganz oben, hoch über dem Bühnenturm, setzen vier Panther zum Sprung gen Süden an. Zum Licht, nach Arkadien, ins Reich der Musen. Dorthin, woher einst die Musik kam, die Poesie und das Spiel. Noch stehen die von den Tieren gezogenen Streitwagen auf zwei Türmchen still, gezügelt von einer weiblichen und einer männlichen Idealfigur. Aber nicht mehr lange, sagt ihre...
