Un grande dolore
Am Ende ist alles nur noch musikalisches Zitat, Erinnerung. Und: totale Tristesse. Regungslos sitzt Mimì auf jenem Stuhl, der zuvor als Platz für Marcellos Aktmodelle diente, hockt da wie eine Statue. Die aber singt, und das wunderschön und zugleich höchst traurig.
«Sono andati», das berühmte Schlusslamento, gerinnt in Nadja Mchantafs Diktion zu einem Bild verblühter Hoffnungen; es beginnt ja noch in heiligem Des-Dur, wandelt dann aber in Holzbläsern, Hörnern, begleitet von leisen Beckenschlägen, in jene unheilsame h-Moll-Sphäre, die auch den Tod Mario Cavaradossis und Cio-Cio Sans umgibt. «Un grande dolore in piccole anime»: ein großer Schmerz in kleinen Seelen. So wollte es Puccini, so spielt es das famose, von Jordan de Souza detailfreudig und mit gutem Gespür für all die klanglichen Valeurs der Partitur dirigierte Orchester der Komischen Oper Berlin, so singt es diese Mimì. Und so inszeniert es Barrie Kosky. Ohne doppelten Boden. Texttreu.
Es ist ja grundsätzlich zu fragen, ob ein modernes Regiekonzept überhaupt für diese Oper taugt. Zu vieles ist festgelegt, der Ort, die Zeit, die Attitüde, das historische Ambiente. Das Werk etwa in die Sphäre der digitalen Bohème zu ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Jürgen Otten
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Das Stück wird selten gespielt. An Amilcare Ponchiellis süffiger Partitur mit dankbaren, herausfordernden Gesangspartien, imposanten Chor-Tableaus und dem Wunschkonzert-Hit «Tanz der Stunden» kann es nicht liegen. Eher wohl an dem haarsträubenden Plot von «La Gioconda». Im schnellen Takt reiht sich da eine reißerische Krimi-Szene an die nächste: Hexenwahn,...
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