Räuberpistole

Aleksandra Kurzak und Roberto Alagna durchleiden Jules Massenets «Navarraise»

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Anfang der 1890er-Jahre, als Mascagnis Überraschungs-Hit «Cavalleria rusticana» eine Verismo-Welle auslöste, auf der bald viele junge Tonsetzer erfolgreich mitschwammen, mag sich Jules Massenet in Paris gedacht haben: Na wartet, Bürschchen, euch zeige ich, wer der Meister aller Klassen ist! Und er hatte auch schon eine Interpretin zur Hand, die seinen Beitrag zur neuesten Musiktheatermode überzeugend verkörpern würde: Emma Calvé.

Auf ein 45-minütiges Räuberpistolenlibretto mit spanischem Sujet schrieb er eine Musik, die in ihrer lodernden südlichen Leidenschaft wie auch in der Robustheit ihrer Instrumentation auf den ersten Blick so gar nicht zu den zartgliedrigen Werken passen wollte, die Massenet zuvor in den Salons berühmt gemacht hatten.

Gerade darum schlug die Uraufführung 1894 in London ein wie eine Bombe, Queen Victoria wünschte sich für Windsor umgehend eine Privataufführung der tragischen Geschichte vom Soldaten Araquil, der die mittellose Anita aus Navarra liebt. Sein wohlhabender Vater will der Heirat nur zustimmen, wenn das nicht standesgemäße Mädchen eine Mitgift vorweisen kann. Daraufhin schleicht sich die verzweifelte Anita ins feindliche Lager, verführt und tötet ...

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Opernwelt März 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Frederik Hanssen

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