Umtausch ausgeschlossen
Wir befinden uns im Kaufhaus «Sarastro’s», dessen Firmenlogo mit dem großen S ganz zufällig dem Dollarzeichen gleicht. Hoch oben im zehnten Stockwerk residiert der geheimnisvolle Boss, umringt von seinen Logenbrüdern mit Kapitalistenzylindern auf dem Kopf. Und unten im Keller rumort zwischen allerlei Gerümpel die Königin der Nacht. Die szenische Klammer bildet der Aufzug, dessen Automatiktür das ganze Bühnenportal deckt. Mit einem einfachen Trick – senkrecht bewegliche Wandstreifen links und rechts – wird der Eindruck der Auf- und Abwärtsfahrt hervorgerufen.
Das ist nicht nur witzig, sondern auch funktional, was die Szenenwechsel angeht. Denn die Handlung spielt auf den diversen Verkaufsetagen, wobei das Warenangebot als Requisite und Dekoration dient. Die drei Damen verkaufen Parfümerie im Parterre, die Schlange im ersten Bild ist ein Plastik-Dino aus der Spielzeugabteilung, und wenn sich Monostatos über Pamina hermacht, zerrt er sie in die Umkleidekabine. In der Bildnis-Arie singt Tamino eine nackte Schaufensterpuppe an. Das Leben, ein Kaufhaustraum. Und die «Zauberflöte» ein Märchen aus der kapitalistischen Warenwelt.
Aber wie es mit dem Kapitalismus halt so ist: Geheimnisse, ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Max Nyffeler
Ein magischer Moment in der Hamburger Aufführung von Giuseppe Verdis «Luisa Miller»: Das Dorfmädchen Laura beklagt den Ausdruck des Leids auf dem Gesicht Luisas, der verfolgten Unschuld. Die Mezzosopranistin Ida Aldrian brauchte nur wenige Phrasen, um mit larmes dans la voix einen Satz des französischen Tenors Adolphe Nourrit sinnfällig werden zu lassen: «Musik...
Wie Soraya, nach Erhalt der Nachricht, dass sich der Schah von Persien von ihr scheiden lässt. So sieht Max Emanuel Cencic auf seinem jüngsten CD-Cover als «Siroé, Rè di Persia» aus – mit leidendem Blick und dickem Kohlekajalstrich (Decca 4786768). Das ist allerdings die einzige geschmackliche Entgleisung, die der multifunktionale Kroate sich bei seinem ...
Im Rückblick hat das Verdi-Jahr 2013 kaum aufregende Erkenntnisse oder gar Neubewertungen hervorgebracht. Umso erstaunlicher, dass nun, zum Ende des Folgejahrs, eine der als problematisch geltenden und deshalb bislang stiefmütterlich behandelten frühen Opern Verdis großes Interesse findet: Die Schiller-Adaption «Luisa Miller» scheint ihr schwieriges Image plötzlich...
