Schneller Dichter
Ein magischer Moment in der Hamburger Aufführung von Giuseppe Verdis «Luisa Miller»: Das Dorfmädchen Laura beklagt den Ausdruck des Leids auf dem Gesicht Luisas, der verfolgten Unschuld. Die Mezzosopranistin Ida Aldrian brauchte nur wenige Phrasen, um mit larmes dans la voix einen Satz des französischen Tenors Adolphe Nourrit sinnfällig werden zu lassen: «Musik soll zu Herzen gehen, aber den Weg dahin muss sie durch das Ohr finden.»
Das Glück des Gelingens hatte Intendantin Simone Young schon in der letzten Spielzeit mit drei Opern aus Verdis anni di galera erlebt.
Mit der Aufführung von «Luisa Miller» ist ein noch größerer Wurf gelungen, insbesondere dank der fesselnden Inszenierung von Andreas Homoki. Schon während der vom «Traurigkeitsmotiv» der Luisa durchseufzten Ouvertüre blendet die Regie in vier Momentaufnahmen die Liebes- und Leidensgeschichte der Protagonisten ein. Die prägnant angedeutete Grundkonstellation wird in Episoden entfaltet. Sie alle spielen in einem Einheitsraum, der nur durch die Beleuchtung und einige Accessoires – symbolträchtige Gemälde oder sparsames Meublement – situativ verändert wird. An die 30-mal wird dieser Raum hin- und hergeschoben: Bilder wie aus ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Kesting
Die Kuppel über der Bühne in der Londoner Wigmore Hall, dem inoffiziellen Mekka des Liedgesangs, ziert eine sympathisch kunstgewerbliche Allegorie der Künste, wobei die zentrale Figur die Seele der Musik symbolisiert und der Feuerball über ihr den Genius der Harmonie versinnbildlicht. Das Bild hat sich bei vielen Besuchen so selbstverständlich in die Erinnerung...
Manche Bühnenwerke treffen den Geist unserer Zeit, ohne sich mit dem Zeitgeist gemein zu machen. So betrachtet, erscheint Modest Mussorgskys Geschichtspanorama «Chowanschtschina» als die Oper der Stunde. Schon vor über hundert Jahren nämlich zeigte dieses gewaltige Fragment politische Entwicklungen auf, die sich im Russland von heute nahtlos fortsetzen und die Welt...
Vom Himmel in den Abgrund? Die französische Sopranistin Sandrine Piau zählt nicht zu den vermarktungshungrigen Vertreterinnen ihres Fachs. Sie produziert nicht permanent Alben, um in die Charts zu springen. Nach ihrer letzten Aufnahme mit französischen Opernraritäten des 18. Jahrhunderts, die dem «Triumph der Liebe» gewidmet waren, nimmt sie sich nun – thematisch...
