Schneller Dichter
Ein magischer Moment in der Hamburger Aufführung von Giuseppe Verdis «Luisa Miller»: Das Dorfmädchen Laura beklagt den Ausdruck des Leids auf dem Gesicht Luisas, der verfolgten Unschuld. Die Mezzosopranistin Ida Aldrian brauchte nur wenige Phrasen, um mit larmes dans la voix einen Satz des französischen Tenors Adolphe Nourrit sinnfällig werden zu lassen: «Musik soll zu Herzen gehen, aber den Weg dahin muss sie durch das Ohr finden.»
Das Glück des Gelingens hatte Intendantin Simone Young schon in der letzten Spielzeit mit drei Opern aus Verdis anni di galera erlebt.
Mit der Aufführung von «Luisa Miller» ist ein noch größerer Wurf gelungen, insbesondere dank der fesselnden Inszenierung von Andreas Homoki. Schon während der vom «Traurigkeitsmotiv» der Luisa durchseufzten Ouvertüre blendet die Regie in vier Momentaufnahmen die Liebes- und Leidensgeschichte der Protagonisten ein. Die prägnant angedeutete Grundkonstellation wird in Episoden entfaltet. Sie alle spielen in einem Einheitsraum, der nur durch die Beleuchtung und einige Accessoires – symbolträchtige Gemälde oder sparsames Meublement – situativ verändert wird. An die 30-mal wird dieser Raum hin- und hergeschoben: Bilder wie aus ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Kesting
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