Aus einer Hand
Wie Soraya, nach Erhalt der Nachricht, dass sich der Schah von Persien von ihr scheiden lässt. So sieht Max Emanuel Cencic auf seinem jüngsten CD-Cover als «Siroé, Rè di Persia» aus – mit leidendem Blick und dickem Kohlekajalstrich (Decca 4786768). Das ist allerdings die einzige geschmackliche Entgleisung, die der multifunktionale Kroate sich bei seinem gegenwärtigen Projekt erlaubt hat.
Nachdem er schon auf seiner letzten Soloscheibe «Rokoko» das Publikum auf den lange unterschätzten Komponisten Johann Adolf Hasse neugierig stimmte, folgt nun der nächste, fast ohne jede Subvention vollführte Streich: Mit dem bewährten Sängerensemble seiner musikalischen Werkstatt hat der längst auch als Agenturmitbesitzer unternehmerisch tätige Countertenor Hasses «Siroé», nach einem beliebten Metastasio-Libretto, in der für Dresden überarbeiteten zweiten Fassung von 1763 glanzpoliert – eine vergessene Barockopernperle samt lohnender, einst von Farinelli kreierter Titelrolle, die Cencic selbst übernimmt.
Die wie üblich selbst produzierte Aufnahme wurde sodann in 15-jähriger Lizenz an die Decca verkauft. Darauf folgten eine Konzerttournee sowie eine szenische Version des Werks, für die Cencic ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Manuel Brug
Manche Bühnenwerke treffen den Geist unserer Zeit, ohne sich mit dem Zeitgeist gemein zu machen. So betrachtet, erscheint Modest Mussorgskys Geschichtspanorama «Chowanschtschina» als die Oper der Stunde. Schon vor über hundert Jahren nämlich zeigte dieses gewaltige Fragment politische Entwicklungen auf, die sich im Russland von heute nahtlos fortsetzen und die Welt...
Das musste wohl so kommen. Nach dem erzwungenen Abbruch seiner Arbeit am Bayreuther «Parsifal» revanchierte sich Jonathan Meese auf seine Art: In der Modern Art Gallery in London zeigt er Katharina Wagner als blonde Bratwurst. «Die Tage der angeblichen Wagnerführung sind gezählt», wetterte er zuletzt von München aus in Richtung Bayreuth, «man muss halt wissen, was...
Wir meinen sie zu kennen. Halb Luder, halb Liebende. Mal femme fatale, mal femme fragile. Hier Luxusweib, dort Leidensfrau. Klar doch: Zwei Seelen wohnen, ach! in ihrer Brust; in rastlosem Dauerclinch, bis schließlich das Herz daran zerbricht – und das ihres mittellosen Galans gleich mit. So hat Abbé Prevost anno 1731 Manon Lescaut (und den Chevalier Des Grieux) in...
