Präzision und Brio
Im Rückblick hat das Verdi-Jahr 2013 kaum aufregende Erkenntnisse oder gar Neubewertungen hervorgebracht. Umso erstaunlicher, dass nun, zum Ende des Folgejahrs, eine der als problematisch geltenden und deshalb bislang stiefmütterlich behandelten frühen Opern Verdis großes Interesse findet: Die Schiller-Adaption «Luisa Miller» scheint ihr schwieriges Image plötzlich triumphal abzustreifen. Die Neuproduktion der Hamburger Staatsoper (siehe S.
40) trennten nur ein paar Tage von der Premiere des Aachener Opernhauses, wo Regisseur Mario Corradi das Geschehen in ein heutiges Mafia-Milieu überträgt. Wenige Kilometer jenseits der Grenze, am schmucken Opernhaus von Liège, gab es eine dritte Inszenierung. Erwartungsgemäß fiel die Regie von Jean-Claude Fall deutlich konservativer aus. Für inszenatorische Wagnisse ist das Haus nicht bekannt – in den Schaukästen werden nach wie vor als Lockmittel üppige historisierende Kostüme präsentiert.
Allerdings siedelt Jean-Claude Fall die Handlung – eine Intrige um eine nicht standesgemäße Liebe im Abendrot des Feudalismus – weder in der Zeit Schillers noch in der Entstehungszeit von Verdis Oper an, sondern verlegt die Handlung in den italienischen ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller
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Im Rahmen der anspruchsvollen, mit raren und riskanten Stücken nicht geizenden Opernspielzeit am Theater Heidelberg ist dieser «Pelléas» ein szenischer Ausfall. Ja, ein Ärgernis. Und das trotz günstiger Voraussetzungen. Das Orchester findet unter seinem GMD Yordan Kamdzhalov zu jener sensiblen Klangbalance, von der Debussys scheues Meisterwerk lebt. Dass sich...
Von Zeit zu Zeit, und wenn der Lauf der Dinge wieder mal nicht so ist, wie er sein sollte, denkt der geschichtsbewusste Österreicher an den guten alten Kaiser Ferdinand I. mit dem Beinamen «der Gütige». Wobei Letzterer sich weniger auf des Regenten Wohltätigkeit als auf seine limitierten intellektuellen Fähigkeiten bezog. So soll er, mit der 1848er-Revolution der...
