Überstrapaziert
Ein Triumph! Das passende Stück zur virengeschüttelten Gegenwart. Goldoni blitzgescheit aktualisiert, dazu eine tolle Regie und brillante Musik – die Komponistin eine Entdeckung! Nur zu gerne würde man diese Sätze aufschreiben und den Bregenzer Festspielen, die sich heuer mit arg reduziertem Programm «Bregenzer Festtage» nennen, einen Coup testieren. Doch betrüblicherweise erweist sich das Auftragswerk «Impresario Dotcom» als ziemlich missglückte Angelegenheit.
Das beginnt beim Libretto von Laura Olivi, inspiriert ist es durch Carlo Goldonis «Impresario von Smyrna» aus dem Jahr 1761. Ein Edelmann will eine Oper besetzen und schaltet dafür einen Mittler ein. Die Interessenten legen sich virtuos ins Zeug, arbeiten mit allerlei Tricks für sich und gegeneinander, wie am Schnürchen rattert die Possenmaschinerie – bei Goldoni. Bei Olivi herrscht ab und an auch Wortwitz, doch muss vor allem der Impresario (die irgendwie zwischen Geschlechtern und Sprachen herumhuschende Schauspielerin und Tänzerin Zeynep Buyraç) schrecklich Banales und dann wieder Verzopft-Verkopftes von sich geben.
Die slowakische Komponistin Ľubica Čekovská (Jahrgang 1975) liefert dazu unruhige Klänge mit häufigen ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Jörn Florian Fuchs
Wie alle italienischen Festivals, so hat auch Pesaro beschlossen, auf jeden Fall ein (wenngleich reduziertes) Programm anzubieten, mit einer Produktion im Teatro Rossini und verschiedenen Open-Air-Konzerten auf der Piazza del Popolo; dort wurde eine Bühne gebaut, die aufgrund der geltenden Hygieneauflagen 600 statt der üblichen 1000 Besuchern Platz bot. Im Teatro...
«Gleich von unbegrenztem Sehnen/ Wie entfernt von träger Ruh’/ Müsse sich mein Leben dehnen/ Wie ein Strom dem Meere zu ...» Wir wissen nicht, ob Aleksandra Kurzak dieses Gedicht von Friedrich Rückert gelesen hat; gleichwohl könnte es sehr gut als Motto über ihrem neuen Album stehen. Der Titel «Desire», den sie dem Recital gab, mag derlei Assoziationen erlauben,...
Mit vier Solisten und zehn Instrumentalisten, aber ohne Chor ist Hans Thomallas in Mannheim uraufgeführte englischsprachige Oper «Dark Spring» die Corona-Oper der Stunde. Doch nicht nur ihr geringer Aufwand, auch ihr Sujet spiegelt die Bedrückung wider, die die Welt in Atem hält – den Abstand von anderen Menschen. Allerdings geht es weniger um die erzwungene äußere...
