Unbegrenztes Sehnen
«Gleich von unbegrenztem Sehnen/ Wie entfernt von träger Ruh’/ Müsse sich mein Leben dehnen/ Wie ein Strom dem Meere zu ...» Wir wissen nicht, ob Aleksandra Kurzak dieses Gedicht von Friedrich Rückert gelesen hat; gleichwohl könnte es sehr gut als Motto über ihrem neuen Album stehen. Der Titel «Desire», den sie dem Recital gab, mag derlei Assoziationen erlauben, erzählt er doch auch von ihrem künstlerischen Sehnen nach Partien, von denen sie zu Beginn ihrer Karriere im lyrischen Koloraturfach nicht einmal zu träumen wagte.
Pragmatisch gesehen könnte man auch von einem Musterkatalog künftiger Erwartungen sprechen.
Auf jeden Fall führt die Polin in diesem Album Momentaufnahmen von Frauen vor, deren Sehnsüchte unterschiedliche Ursachen und Ziele haben, was ihr zugleich Gelegenheit gibt, neue Perspektiven auf diese Charaktere zu finden. Sie überzeugt mit ihrem pikanten Timbre sowie mit der Gabe, Phrasen empfindsam sul fiato (auf dem Atem) zu bilden und in erfüllten, verinnerlichten Piani fortzuspinnen – wie etwa gleich am Anfang in «Io son l’umile ancella» aus Cileas «Adriana Lecouvreur». In Elviras Szene «Surta è la notte – Ernani! Ernani, involami» kann sie auf ihre Erfahrungen im ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Gerhard Persché
JUBILARE
Stein Winge absolvierte seine Ausbildung an der Academy of Dramatic Art in Oslo. Der Norweger, bereits als Produzent, Schauspiel- und Fernsehregisseur erfolgreich, wandte sich in den 1990er-Jahren verstärkt dem Musiktheater zu. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1993 mit seiner Lesart von Mussorgskys «Boris Godunow» am Grand Théâtre de Genève....
Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg...
Die Staatsoper Unter den Linden eröffnet ihren Premieren-Reigen traditionell am Tag der Deutschen Einheit und wählt dafür gern ein symbolträchtiges Stück. In diesem Jahr war es Luca Francesconis «Quartett» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Heiner Müller. Der Dramatiker imaginiert darin die Hauptfiguren von Choderlos de Laclos’ Briefroman «Liaisons...
