Überfordert
Im Dezember 2016 hatte das Nationaltheater Mannheim einen internationalen Regiewettbewerb für eine Inszenierung von Mozarts «Don Giovanni» ausgeschrieben. Als Sieger gingen unter den 50 Einreichungen aus sieben Ländern zwei junge Russinnen, die Regisseurin Ekaterina Vasileva und ihre Bühnen- und Kostümbildnerin Sonya Kobozeva, hervor. Ihr Konzept - «das ausgefallenste», so die Begründung der Jury – versprach «eine grotesk überzeichnete und disproportionierte Welt (…), die zugleich psychischer Innenraum und abstrakte Kunstwelt ist».
Jetzt hat Mannheim die Bescherung! Von der Psyche der Figuren und ihren Reaktionen auf die sexistische Gewalt bis hinunter zum Metaphysischen und Dämonischen ist in der Aufführung, die jetzt beim «Mannheimer Sommer» Premiere hatte, nichts zu sehen; die poppige Kunstwelt entpuppt sich als ein Sammelsurium banaler, alberner, dazu meist spießiger Gags. Das beginnt mit der um einen wasserlosen Swimmingpool zentrierten Bühne und endet mit dem aus der Obermaschinerie herabkommenden riesigen Frauenfuß, der den von Party zu Party taumelnden Sex-Maniac wie ein lästiges Ungeziefer einfach platt macht.
Vasileva und Kobozeva lassen in ihrem Opern-Cartoon ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Uwe Schweikert
Um halb zehn kommen die Jagdflieger. Zeit für den Mörike-Moment: «Über das Haupt stürzt dir krachend das Himmelsgewölb’». Minutenlang ist das große Festspielhaus zu Salzburg erfüllt vom Dröhnen der Maschinen, vom Geräusch einschlagender Bomben, von undefinierbarem Geschrei. Es ist das pure Grauen des Kriegs, das sich hier, in elektronisch verstärkten Tönen und...
Als den «eigentlichen Begründer des Kunstlieds in Frankreich» hat Maurice Ravel einmal Charles Gounod bezeichnet. «Reclams Liedführer» hakt ihn in einem Halbsatz ab – Grund genug also, die neueste CD zu begrüßen, die der Bariton Tassis Christoyannis jetzt in Zusammenarbeit mit der Fondation Palazzetto Bru Zane dem Liedschaffen des in Deutschland stets...
Der Mann mit der hohen Stirn, der wie bestellt und nicht abgeholt vor einem leeren Geschäftsportal sitzt, an einem Sonntagmorgen in einer menschenleeren Straße (vielleicht im New Yorker Greenwich Village) – ja, irgendwie könnte es auch Hanns Eisler sein. Freilich, Edward Hoppers Gemälde «Sunday» entstand bereits 1926, zwölf Jahre vor Eislers Ankunft in New York....
