Stimmung und Bedeutung
Als den «eigentlichen Begründer des Kunstlieds in Frankreich» hat Maurice Ravel einmal Charles Gounod bezeichnet. «Reclams Liedführer» hakt ihn in einem Halbsatz ab – Grund genug also, die neueste CD zu begrüßen, die der Bariton Tassis Christoyannis jetzt in Zusammenarbeit mit der Fondation Palazzetto Bru Zane dem Liedschaffen des in Deutschland stets unterbewerteten Komponisten widmet. Gut 150 mélodies hat Gounod zwischen 1839 und 1893 geschrieben, darunter eine erkleckliche Anzahl auf englische und italienische Texte.
Christoyannis’ repräsentative Auswahl, die die ganze Bandbreite dieses Œuvres berücksichtigt, umfasst 24 Stücke – von schlichten, anspruchslosen Chansons über strophische Romanzen bis hin zu Liedern, die sich durchaus mit denen seiner Nachfolger Fauré und Debussy messen können. Charakteristisch für Gounod sind die Dominanz des Wortes und die Flexibilität der Artikulation, mit der er sich von den traditionellen Salon-Romanzen, aber ebenso von Berlioz abhebt.
Drei Parallelvertonungen von Gedichten Théophile Gautiers, die sich auch in Berlioz’ bekanntem Zyklus «Les nuits d’été» finden – darunter das von düsterem Pathos erfüllte «Chanson du pêcheur» («Ma belle amie ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 40
von Uwe Schweikert
Plácido Domingo ist ein gläubiger Mensch, vor jedem Auftritt betet er zur Heiligen Cäcilia, Schutzpatronin der Musik. Bisher hat sich das gut bewährt, und so war es auch an jenem Tag Ende Juli, an dem Domingo – zuletzt 2000 als Siegmund zu Gast in Bayreuth – erneut bei den Wagner-Festspielen debütiert, diesmal als Dirigent der «Walküre».
Die Anzahl der Sänger,...
Aix
Die Anziehungskraft der sommerlichen Festspiele in Aix-en-Provence ist ungebrochen. Rund 85 000 Besucher werden inzwischen pro Saison gezählt. Das Interesse gilt nicht nur den Opernaufführungen, sondern auch öffentlichen Proben oder den Konzerten der seit 20 Jahren bestehenden Akademie für den künstlerischen Nachwuchs. Und dem Genius loci sowieso – jenem...
Alexander Kluges Wort von der Oper als «Kraftwerk der Gefühle» aufgreifend, blickt der opulente Band vor allem auf das 19. Jahrhundert und stellt die Frage, was Nationalopern eigentlich als ästhetische Produkte sind, sein wollen oder sein konnten, was sie mit Identitätsstiftung zu tun haben, und wie sich Wagner und das «Deutsche» in diesem Kontext ausnehmen....
