Märchenstunde
Um halb zehn kommen die Jagdflieger. Zeit für den Mörike-Moment: «Über das Haupt stürzt dir krachend das Himmelsgewölb’». Minutenlang ist das große Festspielhaus zu Salzburg erfüllt vom Dröhnen der Maschinen, vom Geräusch einschlagender Bomben, von undefinierbarem Geschrei. Es ist das pure Grauen des Kriegs, das sich hier, in elektronisch verstärkten Tönen und (über eine eigens dafür installierte Videowand) rennenden Bildern, ausbreitet und all jenen, die glaubten, die Welt sei vielleicht doch nicht mehr als ein lustiger Zirkus, tiefe Angstfurchen auf die Stirn zeichnet.
Aber hat das alles auch etwas mit der «deutschen» respektive «großen» Oper zu tun, die hier aufgeführt wird?
Ja, sagt Lydia Steier, die erstmals in Salzburg inszeniert und sich für ihr Debüt gleich das dritte große Rätselwerk der Kultur ausgesucht hat, als das Peter von Matt Mozarts «Zauberflöte» einmal bezeichnet hat, neben Shakespeares «Hamlet» und Leonardo da Vincis «Mona Lisa». Ein Werk, das durch die Rezeptionsgeschichte des Festivals nicht eben leichtgängig wirkt, angesichts von 17 Inszenierungen in den vergangenen 90 Jahren.
Was tun? Zu neuen Ufern streben. Steier und ihr Team erzählen die «Zauberflöte» ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Jürgen Otten
Die Stadt ist fast so alt wie die «Oper», das aus Europa importierte unmögliche Kunstwerk: 1607 gegründet, erklärten die Spanier Santa Fe schon 1610 zum Verwaltungszentrum der Kolonie Nuevo Mexico – zehn Jahre bevor die ersten Siedler aus England an der Ostküste, in Plymouth Rock landeten. Später, im Zeitalter der großen Trecks gen Westen, machten unzählige...
Sagen wir es spornstreichs, unverblümt und rundheraus: Seitdem die #MeToo-Debatte Fahrt aufgenommen hat, sieht es in der besten aller Welten für uns nicht mehr gut aus. Für uns: die «Herren der Schöpfung». Vor Urzeiten heldisch verehrt, sieht sich die Gattung Mann inzwischen in toto destabilisiert, domestiziert, desillusioniert. Besonders schlimm ist es abends, in...
Manchmal fügen sich die Dinge am besten aus der Not heraus. Eigentlich sollte in der Salzburger Hofstallgasse wieder die «Aida» Einzug halten – in der feierlichen Schreit-, Sitz- und Steh-Anmutung, die Shirin Neshat Verdis Kassenhit vor einem Jahr verpasste, und mit jener marktbeherrschenden Diva, die 2017 im Großen Festspielhaus zum ersten Mal die äthiopische...
