Überdreht: Villazón in der Baden-Badener «Entführung»
Der Mozart-Opern-Zyklus unter Yannick Nézet-Séguin schreitet fort. Mit der «Entführung aus dem Serail» freilich wird man nicht wirklich froh. Es liegt nicht am Orchester. Das Chamber Orchestra of Europe spielt äußerst fidel und sängerfreundlich, phrasiert flexibel und farbig. Die beiden weiblichen Hauptrollen sind erfreulich besetzt, auch wenn Diana Damrau als agile, hellstimmige Konstanze mit einigen schrillen Spitzen aufwartet. Anna Prohaska macht als Blonde den stärksten Eindruck.
Dass Franz-Josef Selig den Osmin einmal nicht als notorischen Tölpel anlegt, sondern mit seriösem Verwalter-Gestus ausstattet, ist eine schöne Abwechslung. Eher unauffällig agiert Paul Schweinesters Pedrillo. Der große Schwachpunkt des Ganzen ist Rolando Villazón – selbst wenn wir die lange Reihe hochmögender Belmonte-Sänger außer Acht lassen. Vieles klingt ausgestellt, unscharf, vergröbert, oft an der Grenze zum krampfhaft Überdrehten. Und wenn Villazón sich zurücknimmt, fehlen der Stimme die geeigneten Mittel. Ein Jammer!
Mozart: Die Entführung aus dem Serail
Thomas Quasthoff (Selim), Rolando Villazón (Belmonte), Diana Damrau (Konstanze), Anna Prohaska (Blonde), Paul Schweinester (Pedrillo), ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Christoph Vratz
Der dreiviertelstündige Einakter «The Cure» ist bereits das vierte Musiktheaterstück von Harrison Birtwistle, das beim traditionsreichen Sommerfestival in Aldeburgh an der englischen Ostküste uraufgeführt wurde. Den Anfang machte 1968 die Slapstick-Groteske «Punch and Judy», von der kolportiert wird, dass Festivalchef Benjamin Britten, schockiert über die...
Elisabeth Stöppler setzt in ihrer Mainzer Inszenierung von Luigi Cherubinis Opernversion der finstersten aller griechischen Tragödien auf eine puristisch strenge Ästhetik. Weiß und Schwarz herrschen vor auf der Bühne und in den Kostümen. Wenn sich zur Ouvertüre der Vorhang hebt, sehen wir in Annika Hallers leerem, mit gleißenden Wänden abgeschottetem Raum Dircé...
Es ist etwas faul in der Serenissima. «Silenzio. Mistero», raunt der Chor. Nebelschwaden quellen aus schlierig-grauem Kunstmauerwerk. Fast bis zu den Knien steht das Wasser. Die Gondeln liegen fest vertäut. Der Palast-Container ist verschlossen. Das Innere: ein goldener Käfig. Die Tore öffnen sich nur, wenn Francesco Foscari, der zwischen Familie und Staatsräson...
