Über allem ein zarter Schimmer
Wir stellen uns die Szene vor. Eine Soirée im Hause Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueils, mit illustren Gästen, sämtlich kunstsinnige Feingeister wie die Gastgeberin selbst, die unter ihrem Pseudonym George Sand Eingang in die Literatur- und Musikgeschichte gefunden hat. Vorneweg, wie sollte es anders sein, Frédéric Chopin, der empfindsame Pianist und ihr (zeitweiliger) Lebenspartner, an seiner Seite Franz Liszt, Löwe der Salons, der auch in seinen Klavierstücken das Intime überwinden sollte.
Ihm gegenüber Alfred de Musset, wortmächtiger Dichter, Connaisseur und ebenfalls für einige Jahre Geliebter der Schriftstellerin. Schließlich ist da auch noch jene schillernde Sängerin und Komponistin, deren Aura, glaubt man den Berichten der Zeitzeugen, enorm gewesen sein muss – Pauline Viardot. Nun sitzen sie alle dort im Salon, bei Kerzenlicht und Champagner, führen gepflegte Konversation, sinnieren über das Leben, die Kunst und den Menschen, und von Zeit zu Zeit wird dazu noch der Érard-Flügel mit Klängen bestäubt, wenn Chopin oder Liszt sich dorthin bequemen, um ihre Finger über die Tasten tanzen zu lassen.
Sonya Yoncheva hatte diese filmreife Szene vor dem inneren Auge, als sie ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Medien, Seite 30
von Virginie Germstein
Man denke sich die Figuren in Händels «Rinaldo« von unsichtbaren Fäden geleitet. Der Spielführer heißt Hinrich Horstkotte; ursprünglich war er Marionettenspieler, nun agiert er als Regisseur. Als überdimensionales Puppentheater auf einer Guckkastenbühne mit Seitenprospekten und Holzboden inszeniert er die Oper bei den Karlsruher Händel-Festspielen. Das ergibt Sinn....
In den vergangenen Jahren sind Nikolai Medtners Werke, vor allem seine Stücke für Klavier, zunehmend aus dem Schatten der Werke seines Freundes Sergej Rachmaninow getreten. Als Liedkomponist fand Medtner bislang jedoch wenig Beachtung. Zu Unrecht, wie die Mezzosopranistin Ekaterina Levental und der Pianist Frank Peters in ihrer Gesamteinspielung der mehr als 100...
Der Bühnenbildner, so Hugo von Hofmannsthal in seinem kleinen Essay «Die Bühne als Traumbild», «muss durchs Auge gelebt und gelitten haben. Tausendmal muss er sich geschworen haben, dass das Sichtbare allein existiert, und tausendmal muss er schaudernd sich gefragt haben, ob denn das Sichtbare nicht, vor allen Dingen, nicht existiert.» Jolanthe, die Titel - figur...
