Optisch geglückt
Man denke sich die Figuren in Händels «Rinaldo« von unsichtbaren Fäden geleitet. Der Spielführer heißt Hinrich Horstkotte; ursprünglich war er Marionettenspieler, nun agiert er als Regisseur. Als überdimensionales Puppentheater auf einer Guckkastenbühne mit Seitenprospekten und Holzboden inszeniert er die Oper bei den Karlsruher Händel-Festspielen. Das ergibt Sinn. In Händels italienischen Bühnenwerken agieren kaum psychologisch ausgefeilte Individuen, sondern schemenhafte Typen, die Torquato Tassos Märchen-Epos des «Befreiten Jerusalem» entnommen sind.
Wie an Fäden werden sie durch ein Labyrinth der Gefühlsverwirrungen und intriganten Zaubereien geführt. Der mittelalterliche Kreuzzug ist lediglich eine Folie im Hintergrund, zumal in Karlsruhe die selten gespielte zweite Fassung von 1731 gezeigt wird, die den historisch-mythischen Kontext noch weiter zurückdrängt. Auf der hinteren Bühne ist ein Panorama von Jerusalem zu sehen mit der goldenen Kuppel des Felsendoms. Auch das schon ein prämoderner, medialer Verweis auf ein Theater im Theater. Die Zauberin Armida – der magische Mezzo von Valeria Girardello verzichtet auf hexenhaften Furor – schält sich aus der Goldkuppel heraus wie ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Bernd Künzig
Der Bühnenbildner, so Hugo von Hofmannsthal in seinem kleinen Essay «Die Bühne als Traumbild», «muss durchs Auge gelebt und gelitten haben. Tausendmal muss er sich geschworen haben, dass das Sichtbare allein existiert, und tausendmal muss er schaudernd sich gefragt haben, ob denn das Sichtbare nicht, vor allen Dingen, nicht existiert.» Jolanthe, die Titel - figur...
Zukunftsmusik hat immer eine Beziehung zur Musik der Vergangenheit. Die Volksoper Wien hat eine fortlaufende Reihe an Stücken begonnen, in der Formen des Erzählens im Musiktheater untersucht werden. Ausgangspunkt ist stets die Verschmelzung bereits existierender mit neu komponierter Musik.
Musik ist in dieser Reihe nicht nur Mittel, sondern immer auch Botschaft....
Die Herren, wiewohl Landsleute und beide mit reichlich Geist gesegnet, waren uneins. Während Samuel Pepys, dessen Tagebücher aus den Jahren 1660 bis 1669 eine noch heute stetig sprudelnde Quelle der Inspiration bilden, Shakespeares Schauspiel «A Midsummer Night’s Dream» mit einem Federstrich abkanzelte («Es ist das albernste und geschmackloseste Stück, das ich je...
