Optisch geglückt
Man denke sich die Figuren in Händels «Rinaldo« von unsichtbaren Fäden geleitet. Der Spielführer heißt Hinrich Horstkotte; ursprünglich war er Marionettenspieler, nun agiert er als Regisseur. Als überdimensionales Puppentheater auf einer Guckkastenbühne mit Seitenprospekten und Holzboden inszeniert er die Oper bei den Karlsruher Händel-Festspielen. Das ergibt Sinn. In Händels italienischen Bühnenwerken agieren kaum psychologisch ausgefeilte Individuen, sondern schemenhafte Typen, die Torquato Tassos Märchen-Epos des «Befreiten Jerusalem» entnommen sind.
Wie an Fäden werden sie durch ein Labyrinth der Gefühlsverwirrungen und intriganten Zaubereien geführt. Der mittelalterliche Kreuzzug ist lediglich eine Folie im Hintergrund, zumal in Karlsruhe die selten gespielte zweite Fassung von 1731 gezeigt wird, die den historisch-mythischen Kontext noch weiter zurückdrängt. Auf der hinteren Bühne ist ein Panorama von Jerusalem zu sehen mit der goldenen Kuppel des Felsendoms. Auch das schon ein prämoderner, medialer Verweis auf ein Theater im Theater. Die Zauberin Armida – der magische Mezzo von Valeria Girardello verzichtet auf hexenhaften Furor – schält sich aus der Goldkuppel heraus wie ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Bernd Künzig
Tenöre und Bässe hatten in der Barockoper nicht viel zu sagen und meist auch nur wenig zu singen. Die Stars der italienischen Opera seria waren die Kastraten. Sie verkörperten die Helden, Könige und Liebhaber, standen im Zentrum der Handlung wie der Musik, während sich die natürlichen Männerstimmen mit Nebenrollen begnügen mussten: Götter, Väter, Philosophen,...
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar:...
Ach ja, die Liebe. Schwierige Angelegenheit. Wer mit ihr in Berührung kommt, begibt sich unweigerlich in große Gefahr (und kommt nicht selten darin um), wer ihr ausweicht, hat etwas Wesentliches im Leben außer Acht gelassen. Das wissen wohl auch Margarita und die Mädchen, wenn sie zu Beginn des zweiten Akts von Louise Bertins «Fausto» den Chor «Fuggite amor»...
