Liebe lehrt sehen
Der Bühnenbildner, so Hugo von Hofmannsthal in seinem kleinen Essay «Die Bühne als Traumbild», «muss durchs Auge gelebt und gelitten haben. Tausendmal muss er sich geschworen haben, dass das Sichtbare allein existiert, und tausendmal muss er schaudernd sich gefragt haben, ob denn das Sichtbare nicht, vor allen Dingen, nicht existiert.» Jolanthe, die Titel - figur von Tschaikowskys letzter Oper, ist seit früher Kindheit durch ein tragisches Unglück blind. Weder weiß sie, was Sehen ist, noch kennt sie das Licht. Augen, so sagt sie es selbst, sind für sie nur das Organ zum Weinen.
Von der Außenwelt abgeschirmt, lebt sie in einem blühenden Garten, den auf Befehl ihres Vaters, des Königs René, kein Fremder betreten darf. Ihrer Amme und den Dienerinnen ist es bei Todesstrafe verboten, sie über ihre Blindheit und die Schönheit des Sehens aufzuklären. Sehen, sagt der maurische Wunderheiler Ibn-Hakia, werde sie erst können, wenn sie selbst es wolle.
Regisseurin Isabel Ostermann und Ausstatterin Julia Burkhardt setzen in ihrer Hagener Inszenierung diesen symbolistischen Ideendiskurs von der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit der Dinge, von Körper und Seele unmittelbar auf die Szene. Was wir ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Schweikert
Grimmig war Mark-Anthony Turnage angesichts manch harscher Kritiken zu seinem letzten Musiktheater «Coraline»: Er müsse ja keine Opern mehr schreiben, wenn sie auf so wenig Gegenliebe stießen. Nun denn, Turnage schuf dann doch ein neues Werk, mit Spannung erwartet und mit erheblichem Aufwand nun uraufgeführt an der Royal Opera Covent Garden. «Festen», ein Film des...
Zu den auffälligsten Tendenzen der jüngsten Zeit gehört es, dass die Mauern zwischen ganz alter und ganz neuer Musik, zwischen historisch informierter Aufführungspraxis und moderner Interpretation immer häufiger fallen. Der Buchstabe der Überlieferung wird in der Ausführung nicht mehr wörtlich eingefordert, sondern frei übersetzt, ja gänzlich ausgeblendet, wobei...
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...
