Nahe bei Black Rider
Dieser Fürst der Finsternis ist ein schamloser Charmeur. Zum Liebesspiel verführt er so gewandt wie zum Würfelspiel und zur Schwarzen Magie, dank der sich treffsichere Freikugeln gießen lassen. Davon und von weiteren Winkelzügen des Zufalls weiß sein Knecht Kaspar ein Lied zu singen (dämonisch prägnant: Seungweon Lee). Zu einem veritablen Mephisto mutiert dieser Samiel, der – nach den sommerlichen Festspielinszenierungen in Bregenz und Eutin – nun vollends zur heimlichen Hauptfigur in Webers «Freischütz» wird.
In der in Text und Musik erweiterten Neufassung am Oldenburgischen Staatstheater mimt ihn der charismatische Schauspieler Martin Bermoser wie einen Johannes Heesters des 21. Jahrhunderts. In Glitzerfrack, Lackschuhen und Zylinder gibt er den Conférencier, der die Geschichte erst auslöst. Im Prolog noch vor der Ouvertüre verspricht er «Erfolg, Leidenschaft, Glück, Erfüllung und Macht für ein Weilchen». Autorin Susanne Felicitas Wolf hat ihm die Worte in den Mund gelegt, die usbekisch-australische Komponistin Elena Kats-Chernin ihrem Samiel ein atmosphärisch anmutiges Melodram geschrieben. Goethes «Faust»-Beginn als Vorspiel auf dem Theater lässt grüßen. Eine heitere Tragödie ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Peter Krause
Vor der Koksofenbatterie auf Zeche Zollverein in Essen steht ein Schwimmbecken. Einheimische genießen, unter rostigen Streben plantschend, die heiße Augustsonne. Wenige Meter weiter ein völlig anderes nasses Sujet: In der Mischanlage stecken fast nackte Menschen knöcheltief in aufgetautem Eis. Ein Chor singt Björk. «Longing for tomorrow» ist das Motto der...
Das Aristokratische seines Vorgängers fehlt ihm. Alessandro De Marchi eilte stets beflissen zum Pult, nach langer Editorenarbeit, die er mutmaßlich bei einigen Gläsern Acqua naturale vornahm. Ein Dirigent, der nach dem Tod von Alan Curtis die Nische des sorgsamen, widerhakenarmen Barock-Maestros allein besetzte. Ottavio Dantone, neuer Musikchef bei den Innsbrucker...
Der Abbé lächelt nicht. Streng, distanzierterhaben ist sein Blick, es ist der Blick eines Mannes, der um die Wirrnisse des Lebens weiß. Doch auch die anderen Herren im Konferenzzimmer scheinen vor allem eines im Sinn zu haben: die Würde des Amtes zu bekunden, das sie alle einmal innehatten – das Rektorat der Liszt-Ferenc-Akademie zu Budapest, deren Namensgeber,...
