Nahe bei Black Rider
Dieser Fürst der Finsternis ist ein schamloser Charmeur. Zum Liebesspiel verführt er so gewandt wie zum Würfelspiel und zur Schwarzen Magie, dank der sich treffsichere Freikugeln gießen lassen. Davon und von weiteren Winkelzügen des Zufalls weiß sein Knecht Kaspar ein Lied zu singen (dämonisch prägnant: Seungweon Lee). Zu einem veritablen Mephisto mutiert dieser Samiel, der – nach den sommerlichen Festspielinszenierungen in Bregenz und Eutin – nun vollends zur heimlichen Hauptfigur in Webers «Freischütz» wird.
In der in Text und Musik erweiterten Neufassung am Oldenburgischen Staatstheater mimt ihn der charismatische Schauspieler Martin Bermoser wie einen Johannes Heesters des 21. Jahrhunderts. In Glitzerfrack, Lackschuhen und Zylinder gibt er den Conférencier, der die Geschichte erst auslöst. Im Prolog noch vor der Ouvertüre verspricht er «Erfolg, Leidenschaft, Glück, Erfüllung und Macht für ein Weilchen». Autorin Susanne Felicitas Wolf hat ihm die Worte in den Mund gelegt, die usbekisch-australische Komponistin Elena Kats-Chernin ihrem Samiel ein atmosphärisch anmutiges Melodram geschrieben. Goethes «Faust»-Beginn als Vorspiel auf dem Theater lässt grüßen. Eine heitere Tragödie ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Peter Krause
Chanson und Chanson meint nicht dasselbe. Die Chanson ist in der Renaissance die französische Version des mehrstimmigen Madrigals, das Chanson meint im ausgehenden 19. Jahrhundert ein populäres Solo-Lied zwischen Salon, Café-concert und Kabarett. Beide finden sich auf einer so originellen wie begeisternden Doppel-CD, die das Label Alpha dem Dichter Pierre de...
Verdis «La traviata» gehört zu den weltweit populärsten Werken des Musiktheaters. Dass sie mehr zu bieten hat als nur Ohrwürmer einer romantischen Passion, dass schon hier und nicht erst im «Otello» oder «Falstaff» jede Note zählt, wird allzu häufig vergessen, weil der Theaterschlendrian zahllose Feinheiten und damit die dramatische Wahrheit der Partitur einebnet....
Die Frage ist nicht neu, aber von zeitloser Dringlichkeit: «Wer sind wir, was ist unser Zweck, und was bleibt von uns nach unserem Tod?» Huw Montague Rendall zögert nicht lange und liefert im Booklet seines Albums mit dem schönen Titel «Contemplation» gleich die demütige Antwort mit: «Wir sind nichts als Sternenstaub. Wesen kosmischen Ursprungs, schwebend in der...
