Turquerie à la francaise
Es war kein Ort zum Träumen, eher einer der gefesselten Phantasie: Stickig und klaustrophobisch dürfte es im Haremsbereich der osmanischen Paläste hergegangen sein. Selbst in jenem des Topkapı Sarayı zu Istanbul, obwohl er, vermeintlich großzügig, über 400 Zimmer umfasste. Zwar suggerieren hohe Decken und die elegant mit bunten Kacheln verzierten Wände, dass des Sultans Gespielinnen dort komfortabel lebten. Doch galt dies bloß für die enge Verwandtschaft des Herrschers.
Nicht für die angeblich bis zu zweitausend Konkubinen, die dort zur Erbauung des Herrschers ihr Leben fristeten. Entweder als Ikballar – jene, die von einem lendenmächtigen Sultan bereits zu Bett gebeten wurden. Oder als Gözdeller, denen diese Zuwendung noch nicht zuteilgeworden war; sie waren die Einzigen, die unter bestimmten Umständen in die Freiheit entlassen wurden…
Antoine Fontaine, Bühnenbildner der vorliegenden Produktion von Mozarts «Entführung» (als «L’Enlèvement du sérail» auf CD und DVD erschienen), möchte diese Enge des goldenen Käfigs als Gegensatz zur Weite der den Palast umgebenden Landschaft zeigen. Der kulturellen Konfrontation zwischen Ost und West entsprechend sucht er nach einer Verbindung der ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 38
von Gerhard Persché
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