Tupfer im Wind
Leise rieselt der Schnee. Will gar nicht mehr aufhören zu rieseln, rieselt zu Boden und herab auch auf Mimì, die aus grauer Gasse heraus zum Rampenlichte strebt, viel zu leicht bekleidet für eine junge, schwindsüchtige Frau, die am Missverständnis leidet, das die Liebe zuweilen erzeugt.
Das Haupt mit Schnipseln bedeckt, schleicht sie zur Hausecke, lauscht der Unterhaltung zwischen Rodolfo und Marcello, sucht dann, erst mit dem einen, dann mit dem anderen, das Dilemma zu ergründen, welches sich ihrer bemächtigt hat, und stimmt schließlich, lento molto, dieses unglaublich traurige Des-Dur-Arioso an: «Donde lieta uscì al tuo grido d’amore».
Was Mimì in diesem Augenblick der Not höchstens ahnt: Es ist ihr eigenes Ende, das in der Partitur aufscheint. Später, am Ende der Oper, nachdem sie tatsächlich einen h-Moll-Tod gestorben ist, vernehmen wir die gleiche heilige Tonart, klingende Metapher der Verklärung. Puccini hat sie bewusst gewählt; er, der Meister der letzten Momente (der vielleicht auch deswegen seine letzte Oper «Turandot» unvollendet ließ: weil er nach dem Tode Liùs nicht mehr weiter wusste, weil es ihm immer um den «grande dolore in piccole anime» ging). Und ...
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