Liebesflöte, Wangenröte
In einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» hat Barrie Kosky bereits 2013, kurz nach seinem Amtsantritt als Intendant der Komischen Oper, den Dreisatz verraten, mit dem er die in Deutschland so schlecht beleumundete Operette zu neuem Leben erwecken will: «Du musst den Stil lieben, du musst die Stücke mit Stars besetzen, und du musst dich darauf einlassen, dem Publikum Unterhaltung zu bieten.» Viel zu oft nämlich, erklärte Kosky, würden Regisseure hierzulande «mit dem gesellschaftskritischen Holzhammer» kommen und so den Subtext der Sozialsatiren zum Haupttext machen.
Tatsächlich aber seien die Stücke in allererster Linie für den Prickeleffekt gemacht – den ironischen Subtext bekomme man gratis dazu.
Er hat sich genau an seinen Masterplan gehalten – und kann jetzt die Früchte des langfristig angelegten Revitalisierungsprogramms ernten. Denn sein Team ist mittlerweile so auf Entertainment à la Kosky eingeschworen, dass selbst ein dramatisches Nichts wie Oscar Straus’ «Die Perlen der Cleopatra» an der Komischen Oper zur Riesengaudi wird. Schrill und bunt, glamourös und erotisch, mit viel Lokalkolorit und weltläufig zugleich.
Entstanden ist das ganz zurecht ...
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Hübsch hier. Die verwinkelte Innenstadt, der langgestreckte Marktplatz, eingerahmt von sanierten Altbauten. Im Rathaus aus dem 16. Jahrhundert der obligatorische Ratskeller. An diesem Adventssonntag sind im ostthüringischen Altenburg einige Buden geöffnet, es riecht nach Bratwurst, aus den Lautsprechern dringt, etwas zu laut, nicht ganz so weihnachtliche...
Schon merkwürdig, was sich da vor der Premiere 2005 abspielte. Protestnoten, Demos, sogar eine Debatte in der Duma löste die Nachricht aus, der Schriftsteller Vladimir Sorokin habe den Text verfasst für die erste Opernauftragsarbeit, die seit 1979 am Bolschoi Theater aus der Taufe gehoben werde. Putin-Anhänger witterten Pornografie auf offener Bühne, forderten...
Wie der Vater, so der Sohn? Beim Stimmfach mag der Spruch seine Richtigkeit haben. Dass aber Julian und Christoph Prégardien im Charakter erheblich differieren, räumen sie selbst ein. Hier der Vater, ein hintergründiger Denker, dort der offensiv gelaunte Sohn – bis in ihre jeweiligen Vorhaben hinein setzt sich dieser feine Unterschied fort. Ohnehin ist Julian...
