Das kalte, heiße Herz

Erstmals kommt in Skandinavien Umberto Giordanos «Fedora» auf die Bühne. Am Königlichen Opernhaus Stockholm inszeniert Christof Loy, Tobias Ringborg dirigiert, in der Titelpartie debütiert Asmik Grigorian

Opernwelt - Logo

In der entscheidenden Szene schweigt das Orchester. Die Pariser Abendgesellschaft auf der Bühne wird von einem Pianisten unterhalten, der sich als Nachfolger Chopins versteht und in der Tat etwas Nocturne-artiges auf die Tasten zaubert – langsam, elegisch in H-Dur beginnend, dann vollgriffig virtuos ausholend. Wie sich später herausstellt, soll er ein Spion sein, der Informationen über die Hausherrin sammelt, eine illustre russische Gräfin.

Die wiederum spioniert während des Nocturnes einen Grafen aus, der vermutlich in den Mord am Sohn des russischen Polizeichefs verwickelt ist und seinerseits ein Spion sein könnte. Ihn will die Gräfin dem Geheimdienst ausliefern – tot oder lebendig. Dazu macht sie ihm schöne Augen und hat den Ball organisiert. Dumm nur, dass nicht nur er sich in sie, sondern auch sie sich in ihn verliebt. Für den Agententhriller bedeutet das eine scharfe Wende, für die Oper ist hingegen endlich alles im Lot: Sopran und Tenor können zu einem Duett anheben. Das Orchester meldet sich zurück.

Die Sache mit dem Nocturne ist mehr als Bühnenmusik: ein ziemlich genialer Kniff des Komponisten Umberto Giordano, der seine «Fedora» bei der Uraufführung 1898 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rote Linie

Hübsch hier. Die verwinkelte Innenstadt, der langgestreckte Marktplatz, eingerahmt von sanierten Altbauten. Im Rathaus aus dem 16. Jahrhundert der obligatorische Ratskeller. An diesem Adventssonntag sind im ostthüringischen Altenburg einige Buden geöffnet, es riecht nach Bratwurst, aus den Lautsprechern dringt, etwas zu laut, nicht ganz so weihnachtliche...

Ein Kraftwerk für Gefühle

Columbus, Ohio, das ist, nun ja, nicht die allererste Adresse, um als Künstler erfolgreich zu sein. Also packen Ruth und Eileen Sherwood die Koffer und fahren nach New York. Ruth will dort als Schriftstellerin reüssieren, ihre Schwester Eileen als Schauspielerin. Dass es dazu einiger erstaunlicher Peripetien bedarf, beschreibt Leonard Bernsteins Musical...

Liebesflöte, Wangenröte

In einem Interview mit dem Berliner «Tagesspiegel» hat Barrie Kosky bereits 2013, kurz nach seinem Amtsantritt als Intendant der Komischen Oper, den Dreisatz verraten, mit dem er die in Deutschland so schlecht beleumundete Operette zu neuem Leben erwecken will: «Du musst den Stil lieben, du musst die Stücke mit Stars besetzen, und du musst dich darauf ...