Das kalte, heiße Herz
In der entscheidenden Szene schweigt das Orchester. Die Pariser Abendgesellschaft auf der Bühne wird von einem Pianisten unterhalten, der sich als Nachfolger Chopins versteht und in der Tat etwas Nocturne-artiges auf die Tasten zaubert – langsam, elegisch in H-Dur beginnend, dann vollgriffig virtuos ausholend. Wie sich später herausstellt, soll er ein Spion sein, der Informationen über die Hausherrin sammelt, eine illustre russische Gräfin.
Die wiederum spioniert während des Nocturnes einen Grafen aus, der vermutlich in den Mord am Sohn des russischen Polizeichefs verwickelt ist und seinerseits ein Spion sein könnte. Ihn will die Gräfin dem Geheimdienst ausliefern – tot oder lebendig. Dazu macht sie ihm schöne Augen und hat den Ball organisiert. Dumm nur, dass nicht nur er sich in sie, sondern auch sie sich in ihn verliebt. Für den Agententhriller bedeutet das eine scharfe Wende, für die Oper ist hingegen endlich alles im Lot: Sopran und Tenor können zu einem Duett anheben. Das Orchester meldet sich zurück.
Die Sache mit dem Nocturne ist mehr als Bühnenmusik: ein ziemlich genialer Kniff des Komponisten Umberto Giordano, der seine «Fedora» bei der Uraufführung 1898 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Columbus, Ohio, das ist, nun ja, nicht die allererste Adresse, um als Künstler erfolgreich zu sein. Also packen Ruth und Eileen Sherwood die Koffer und fahren nach New York. Ruth will dort als Schriftstellerin reüssieren, ihre Schwester Eileen als Schauspielerin. Dass es dazu einiger erstaunlicher Peripetien bedarf, beschreibt Leonard Bernsteins Musical...
«Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad ...» Warum fällt uns bei Mephistos auch auf dem Cover der DVD abgebildeter Teufelsfahrt auf dem Krad – mit Faust dahinter auf dem Doppelsitz – dieses Kinderlied ein? Vielleicht, weil Roland Schwabs Inszenierung von Boitos «Mefistofele» an der Bayerischen Staatsoper bei aller Düsternis in ihrer betriebsamen Verspieltheit...
«Spezialisten», meinte Nikolaus Harnoncourt vor Jahren im Gespräch mit dem Schreiber dieser Zeilen, «betrachte ich mit Misstrauen. Denn wenn ich etwa nur Musik des Barock spiele, verliere ich den Kontakt zu dem, was künstlerisch sonst noch geschah und geschieht. Das Blickfeld wird eng, was man auch der Interpretation anhört ...» Wenngleich die älteste zur...
