Mondzauber

Eine Entdeckung: Jacques Offenbachs Operette «Le Voyage dans la Lune»

Opernwelt - Logo

Le Voyage dans la Lune» ist nach «La Périchole» und «Maître Pé-ronilla» die dritte Operette Jacques Offenbachs, die das Palazzetto Bru Zane in seiner der französischen Oper gewidmeten CD-Buchreihe vorlegt. Die 1875 am Pariser Théâtre de la Gaîté uraufgeführte Opéra-féerie war einer der wenigen Sensationserfolge des späten Offenbach und wurde 186 Mal am Stück gespielt.

Das Libretto nutzte dabei einerseits den Erfolg von Jules Vernes futuristischem Science-Fiction-Roman gleichen Namens aus, greift andererseits mit den märchenhaft-abenteuerlichen Zügen dieser Reise auf den Mond aber auch auf ältere, seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert gängige Motive des Pariser Unterhaltungstheaters zurück.

Natürlich darf bei dieser interstellaren Konfrontation auch die obligate Liebesgeschichte nicht fehlen. König V’lan, sein Sohn Caprice und dessen Erzieher Microscope bringen das Leben auf dem Mond, wo man die Liebe nur als Krankheit kennt und die Frauen auf dem Markt versteigert, völlig durcheinander. Was das Publikum damals begeisterte, war vor allem die Ausstattungsorgie – die Kanone, die die drei Erdbewohner in einer vergrößerten Tabaksdose auf den Mond befördert (als Proviant werden Äpfel und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Poesie, mon amour!

Sind das Wasserleichen, die da in diesem riesigen, hellen und mit kühlem Nass befüllten Kubus liegen? Langsam beginnen diese Wesen, sich – choreografisch wohlsortiert kreisend – in ihrem Element zu wälzen, breiten die Arme aus und lassen sie auf die Oberfläche platschen. Später bilden sie allerhand Knäuel und Klumpen, ihre Körper scheinen miteinander zu...

Fleisch und Geist

Man sieht es – und erschaudert: Italien im Winter 2022, das ist eine Nation, die schon seit Jahrzehnten auf dem ökonomischen Holzpfad wandelt, die spätestens mit dem Antritt der Ministerpräsidentin Giorgia Meloni von der rechtsextremen Partei «Fratelli d’Italia» aber endgültig in der Vergangenheit angekommen ist, unabhängig davon, ob man diese nun als...

Ganz schön raffiniert

Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal...