Mondzauber
Le Voyage dans la Lune» ist nach «La Périchole» und «Maître Pé-ronilla» die dritte Operette Jacques Offenbachs, die das Palazzetto Bru Zane in seiner der französischen Oper gewidmeten CD-Buchreihe vorlegt. Die 1875 am Pariser Théâtre de la Gaîté uraufgeführte Opéra-féerie war einer der wenigen Sensationserfolge des späten Offenbach und wurde 186 Mal am Stück gespielt.
Das Libretto nutzte dabei einerseits den Erfolg von Jules Vernes futuristischem Science-Fiction-Roman gleichen Namens aus, greift andererseits mit den märchenhaft-abenteuerlichen Zügen dieser Reise auf den Mond aber auch auf ältere, seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert gängige Motive des Pariser Unterhaltungstheaters zurück.
Natürlich darf bei dieser interstellaren Konfrontation auch die obligate Liebesgeschichte nicht fehlen. König V’lan, sein Sohn Caprice und dessen Erzieher Microscope bringen das Leben auf dem Mond, wo man die Liebe nur als Krankheit kennt und die Frauen auf dem Markt versteigert, völlig durcheinander. Was das Publikum damals begeisterte, war vor allem die Ausstattungsorgie – die Kanone, die die drei Erdbewohner in einer vergrößerten Tabaksdose auf den Mond befördert (als Proviant werden Äpfel und ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Uwe Schweikert
Erklären, erhellen, das ist in dieser Causa oft vergebliche Regiemüh’! Weil sich die Märchen-Mythen-Psycho-Melange von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal gegen Stringenz und Linearität sperrt – was an sich nichts Negatives sein muss. Und leicht ließe sich ja lächeln über die «Frau ohne Schatten», die zwischen explodierter «Zauberflöte» und monumentaler...
Offenbach ist in unseren so unfest gewordenen Tagen besonders offen spielbar», schrieb Ernst Bloch vor bald einhundert Jahren über Jacques Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann». Das scheint auch die Regisseurin Andrea Schwalbach gedacht zu haben und ließ sich von Anne Neuser einen perspektivisch leicht schräg versetzten Salon aus dunkel gebeiztem, massivem Holz bauen...
Ein Biedermeierkomponist, ein Fabrikant von Potpourris hübscher Melodien, den man tunlichst nicht in einem Atemzug mit Weber und Wagner nennt: Diese tief verwurzelten Vorurteile gegen den Komponisten Albert Lortzing widerlegte das Gewandhausorchester Leipzig jetzt grandios. Erst die gewaltig berstende Ouvertüre und später manch andere symphonisch-polyphone Passage...
