Triumph des Mäusekinos
Lange noch dürfte sie in Erinnerung bleiben, diese überlange Spielzeit der Einschränkungen und Absagen, des Ausweichens, Umplanens und der Entschleunigung. Hinter uns liegt eine Phase oft ungewohnter Seh- und Hörerfahrungen, der Entzugserscheinungen und Ersatzhandlungen, der immer wieder neuen Hoffnungen oder Vertröstungen. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.
Dass es denen, die gewerblich übers Musiktheater schreiben, zuletzt nicht leicht gemacht wurde, soll nicht nur für die Annalen festgehalten werden.
Insbesondere die Soloselbständigen mussten Einbußen hinnehmen, die nur teilweise «aufgefangen» werden – die Hilfsprogramme sind auf andere Personen- und Kleinunternehmer-Gruppen zugeschnitten. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Aufarbeitung der Krise und ihrer Folgen stattfindet, welche Konsequenzen sich daraus ergeben oder auch nicht. Für die personell und finanziell gut ausgestattete Musikforschung ergibt sich hier ein lohnendes Arbeitsfeld, auch bezüglich der kreierten und in Umlauf gebrachten experimentellen Produktionen und der «neuen Kommunikationsformate».
Man hat im Zuge des «lebenslangen Lernens» nochmals viel dazugelernt – die Gesellschaft insgesamt wie einzelne ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 124
von Frieder Reininghaus («ÖMZ», Much bei Köln/Wien)
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...
Taugt die Krise als Pflicht und Chance, es alsbald anders zu machen? Drei Beispiele des Gelingens in einer nur scheinbar gescheiterten Spielzeit: Mit Händels «Tolomeo» transzendiert Regisseur Anthony Pilavachi das Artifizielle barocker Operngestik und das derzeitige Distanzgebot am Theater Lübeck, zu Saisonbeginn noch mit echtem Publikum im Saal, zu berührendem...
Ach, wie war es doch vordem / mit den Listen so bequem... Aber nichts ist mehr so, wie es einmal war, also auch nicht die übliche standardisierte Saison-Benotung aus Sichten, Einordnen, Nominieren, Zusammenzählen, Küren von Siegerinnen und Siegern.
Andererseits war ja auch nicht «nichts» in diesen verseuchten Monaten! Im Gegenteil: Man streamte und war plötzlich...
