Erschöpfung und Hochgefühl
Sportliche Höchstleistungen wie die Tour de France hat der Philosoph Peter Sloterdijk neulich im «FAZ»-Gespräch mit einem großen menschlichen Bedürfnis kurzgeschlossen: Menschen seien «in gewissem Ausmaß Hochgefühlssucher ... enorme Anstrengungen bringen diese paradoxe Einheit von Erschöpfung und Hochgefühl». Auf die Frage, was solche Einheit so besonders mache, antwortete Sloterdijk: «eine ekstatische Situation».
Somit scheint es, als besitze das existentielle Sportphänomen eine Ähnlichkeit mit bestimmten Kunstformen, etwa der Oper in ihrer Mixtur aller Genres, ja, als entstünden «Ekstasen» sozusagen in jeder künstlerisch existentiellen Lebens- und Produktionsweise, die ihre Grenzen vital austestet – eben zwischen Erschöpfung und Hochgefühl. In solchen Spannungsfeldern entfalten sich Monteverdis «Orfeo», Mozarts «Don Giovanni» oder Beethovens «Fidelio» ebenso wie Wagners «Tristan» oder Bergs «Wozzeck».
In der pandemischen Not 2020/21 entstand eine zuletzt fast gewaltsam ausgebrochene Begierde (sowohl der Künstlerinnen und Künstler als auch des Publikums) nach echter Kunstnähe, nach lebendiger «Gemeinschaft» mit den Kunstwerken im Hier und Jetzt – ohne digitalisierte Theater- und ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 127
von Wolfgang Schreiber («Süddeutsche Zeitung», Berlin)
Die zurückliegende Opernspielzeit machte das Besondere des eigentlich Normalen für jeden greifbar: Live produzierte und rezipierte Bühnenkunst ist durch keine noch so ausgefeilten Online-Angebote wirklich zu ersetzten. Es ist ein Trost, dass einige der großen Häuser jede Möglichkeit, die ihnen die Pandemiebekämpfung erlaubte, offensiv nutzten, um für das Publikum...
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...
Sein Ruhm wird nur durch ein Stück begründet: «Samson et Dalila». Doch das 100. Todesjahr von Camille Saint-Saëns, der als Sechsundachtzigjähriger am 16. Dezember 1921 in Algier starb, hätte auch in deutschen Landen ein Jahr der musikalischen und szenischen Neuerprobung einiger seiner anderen, fast vergessenen Opern werden sollen und können: «Déjanire» (konzertant)...
