Traumbild: Anne Sophie Duprels (Katiusha) mit Niamh White (Das Kind) in «Risurrezione»; Foto: Festival/Clive Barda

Tristan und Isolde im Schnee

Das Wexford Festival präsentiert Franco Alfanos «Risurrezione», Jacopo Foronis «Margherita» und Luigi Cherubinis «Medea»

Opernwelt - Logo

Der Gott des Windes war wütend. Doch nicht die ungeduldigen Mannen des Odysseus hatten seinen Zorn erregt, irgendetwas anderes musste ihm die Seele beschwert haben. Und so sandte Aiolus einen Orkan mit dem eigentlich harmlosen Namen «Brian» über Irland, den es in dieser Stärke ein halbes Jahrhundert lang nicht gegeben hatte. Bäume wurden entwurzelt, Dachziegel flogen durch die Luft, Autos kippten um, sogar einige Menschenleben forderte der Sturm.

In Wexford ließ man sich davon, bei allem Schmerz über die Opfer, nicht beirren.

Zwar mussten Proben verlegt oder gleich ganz abgesagt werden. Doch pünktlich zu Beginn des Festivals hatte man die Lage wieder im Griff. Der Lappen ging hoch. Und bescherte dem Publikum erneut Raritäten der besonderen Art sowie mit Cherubinis «Medea» ein Werk von mythischem Format. Doch hierzu später.

In nur fünf Monaten des Jahres 1903 schrieb Franco Alfano seine Oper «Risurrezione» auf ein Libretto des in Paris lebenden italienischen Dichters Cesare Hanau, das Tolstois (nahezu) gleichnamige Erzählung auf freizügigste Weise arrangierte und für die Bühne zuspitzte. Am 30. November 1904 war es so weit. Tullio Serafin, gerade mal 26 Jahre jung, von den Musen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Schrille Prosa, stille Poesie

Stéphane Lissner, Herr über die Opéra national de Paris, musste lange bangen um seine vielleicht wichtigste Premiere in dieser Saison. Die Ankündigung von Massenstreiks gegen die Reformpolitik des neuen Präsidenten Emmanuel Macron drohte das große Ereignis platzen zu lassen. Doch schließlich blieb die Opéra Bastille verschont, zogen Tausende Demonstranten eine...

Heilige Familie

Die herbstliche Sexismusdebatte hat es wieder einmal und leider sehr drastisch ans Tageslicht gezerrt: Die jahrtausendealte patriarchale Machtstruktur scheint ungebrochen, die Neigung, Macht zu missbrauchen, schier unausweichlich. Von Liebe wenig Spuren, stattdessen ein Bewusstsein, das die Frau herabwürdigt zum Objekt unkontrollierter Begierde. Männer und wahre...

Schuld (und Sühne)

Der Tag des Zorns, er ist auch der Tag der Tränen. Und der berührenden Momente. Während sie gemeinsam mit dem Chor das b-Moll-triste «Lacrimosa» anstimmt, kommt die Sopranistin Ekaterina Scherbachenko wie ein Schatten aus dem Hintergrund nach vorne, Blumen des Todes in den Händen, und tritt an einen schlichten Holzsarg. Begleitet durch sehnsuchtsreiche Einwürfe von...