Trierer, höret die Signale
Ist Karl Marx nicht mausetot? Die Sowjetunion – gescheitert. Maos China – Geschichte. Das Kambodscha der Roten Khmer – wo war das noch mal? Die Antwort kommt aus dem Publikum, das der Vorstellung hellwach folgt. Gleich am Anfang wird es von der Bühne aus einbezogen: «La-la-la-la», singt der Saal, und «Eins, tswej, draj, fir!» wird daraus der «Arbetlosen Marsch» des jiddischen Poeten Mordechaj Gebirtig. Das Traditionslied ist der Refrain des Abends.
Langweilig geht es nie zu an diesem pfiffigen Abend, immer wieder schallen bei «Marx eins» (Uraufführung am 5.
März 2016) Lachen und spontaner Beifall durch den Saal. Etwa, wenn der Countertenor Fritz Spengler aus dem Opernensemble auftritt und in strahlendem Falsett trällert: «Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat, richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst.» Peer Ripbergers Text schafft den Sprung aus den alten Parolen in heutige Formeln: «Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Collaborative Commons, der genossenschaftlichen Gemeingüter.» Ripberger hat nicht nur das Libretto geschrieben, er führt auch Regie. Als Absolvent der Hildesheimer Theaterwissenschaften ist er mit allen Wassern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Bernd Feuchtner
Impressum
57. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752289
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 11.04.2016
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine waren für das Musiktheater schon immer von allerhöchstem Interesse. Offenbachs genarrte Liebe des Dichters Hoffmann zur Puppe Olympia wäre zu nennen, auch d’Alberts «Golem»-Oper. In jüngerer Zeit weitete Steve Reich das Thema der Optimierung kreatürlicher Wesen mit «Three Tales» über das Klonschaf Dolly auf das...
Seit August 2007 wird in Luzern über den Bau einer Salle Modulable, eines flexiblen Raums für (neues) Musiktheater diskutiert. Die Idee geht auf Pierre Boulez zurück. Boulez, der 2004 die Lucerne Festival Academy gründete und bis kurz vor seinem Tod leitete, hatte nicht nur eine Dynamisierung der Beziehung zwischen Bühne(n) und Zuschauer im Auge, ihm ging es vor...
