Zwanghaft destruktiv
In Alexander Zemlinskys Opern rumort eine schwüle, mit Gewaltfantasien grundierte Erotik. Sein selten aufgeführtes Opus summum «Der König Kandaules» treibt die Obsessionen auf die Spitze. Wörtlich genommen ist die Geschichte schwer verdaulich: Der König begreift seine schöne Gattin Nyssia als Besitz. Erst entschleiert er sie wie eine Trophäe vor den Höflingen, dann führt er sie dem durch einen Zauberring unsichtbar gemachten Fischer Gyges nackt vor und überlässt sie ihm schließlich – von ihr unerkannt – für eine Nacht.
Als Nyssia die Wahrheit entdeckt, zwingt sie Gyges, den König zu töten, und macht ihn selbst zum Regenten.
Man hat diesen Stoff schon als Parabel über die Suche nach dem Glück gelesen (hier der einfache, bedürfnislose Fischer, dort der reiche König), oder auch als Gleichnis über die Künstlerseele, die sich verliert, wenn sie ihr Kunstwerk (Nyssia als Kunst-Geschöpf des Königs!) der Öffentlichkeit überlässt. Derartige Ehrenrettungen des Stoffs interessieren den gern als «wild» bezeichneten ukrainischen Regisseur Andrij Zholdak nicht. Er gibt sich vielmehr ganz und gar der zwanghaft destruktiven Erotik und den sado-masochistischen Tendenzen des Stoffs hin, Zemlinskys ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller
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