Treudeutsch
Weise Worte: «Personen in unserer gesellschaftlichen Stellung können niemals ausgezeichnete Künstler sein», schrieb Albert, Gemahl der englischen Königin Victoria, an seinen Bruder, den Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha. «Es braucht das Bemühen eines ganzen Lebens, es zu werden.» Ernst II. sah das freilich etwas anders: Nicht weniger als fünf Opern und zwei Operetten verfasste der Herzog in seiner Freizeit, die er, im Arbeitskabinett auf und ab schreitend, seiner Frau in die Feder diktierte.
Oder jedenfalls deren melodisches und vielleicht auch harmonisches Gerüst, welches er hernach zur Instrumentierung weitergab. An Richard Wagner zum Beispiel, der im Falle von «Santa Chiara» dankend ablehnte, oder Giacomo Meyerbeer, der sich mittels Verzögerung aus der Causa herauswand.
Immerhin dirigierte Franz Liszt die Uraufführung 1854 in Gotha, wonach es die titelgebende Heilige nicht nur an viele wichtige deutsche Bühnen schaffte, sondern bis nach Paris, London und Wien. Und in der Gegenwart ans Staatstheater Meiningen, das seinen historischen Ruf ja ebenfalls einem kunstsinnigen Herzog dankt. Der Regisseur Hendrik Müller macht denn auch einen veritablen Märtyrerzirkus aus dem dritten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Michael Stallknecht
Am 23. Februar war die Welt des Valery Gergiev noch in bester Ordnung. An der Mailänder Scala dirigierte Gergiev die Premiere von Tschaikowskys «Pique Dame», die wenigen, zaghaften Buhrufe vor dem ersten Takt wird er vermutlich nicht einmal vernommen haben. Im Weghören war der russische Dirigent immer schon ein Großer; was ihn nicht interessierte, existierte nicht....
Stanisław Moniuszko spielt für Polen die gleiche Rolle wie Michail Glinka für Russland oder Bedřich Smetana für Tschechien: die des Begründers einer eigenen nationalen Schule. Gerade sein Opernerstling «Halka» gilt für die Musiktheaterwelt Polens als unverzichtbar. Dabei hatte sich das Stück um die vom adligen Janusz geliebte und dann sitzengelassene Magd Halka...
Alpha
03.04. – 21:45 Uhr
60 Jahre Münchner Rundfunkorchester Der Klangkörper, 1952 gegründet als zweites Orchester des «Bayerischen Rundfunks», hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten ein Profil entwickelt, das sich in der Orchesterlandschaft deutlich abhebt. Unter seinem derzeitigen Chefdirigenten Ivan Repušić bietet das Orchester eine große Programmvielfalt:...
