Très charmant
Sandrine Piau ist selbst im Herbstglanz ihrer Stimme noch immer für ein Abenteuer gut – einen «Schritt zur Seite», wie sie im Booklet ihres neuen Albums schreibt, auf dem sie in Begleitung des Quatuor Psophos «die Osmose zwischen den Haaren der Bögen und der Körnung meiner Stimme» erforscht. Der Geiger, Komponist und Dirigent Jacques Gandard hat zehn Schubert-Lieder für Streichquartett transkribiert.
Anders als Aribert Reimann, Christian Jost oder Hans Zender, die in ihren Schubert- und Schumann-Adaptionen die Originale gleichsam überschreiben, hält er sich streng an die Vorlage, komponiert nichts hinzu oder gar um. Dennoch entsteht, allein schon durch die konsequente Reduktion des vollgriffigen Klaviersatzes auf die nackte klassische Vierstimmigkeit, ein gänzlich neuer Ton. Überdies weicht der harte, metallische Anschlag des Klaviers, in dem stets ein Moment des Perkussiven mitschwingt, einem warmen, weichen Klang, der die Stimme in sich bettet, ja ihren Körper wie ein Kleid umhüllt. Was wir hören, ist wirklich ein imaginäres Quintett mit dem Gesang als so distinkter wie distanzierter fünfter Stimme.
Glanzvoll bewährt sich das Verfahren in den überwiegend schwermütig-getragenen ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Medien, Seite 32
von Uwe Schweikert
Nach wie vor unter die Rubrik «Geheimtipp» fällt die Musik Nikolai Medtners. Das erstaunt, denn einem Erfolg seiner Werke beim Publikum sollte eigentlich nichts entgegenstehen: Gut zugänglich ist die Klangwelt des 1880 in Moskau geborenen und 1951 in London gestorbenen Pianisten und Komponisten, kraftvoll und sicher gearbeitet ist seine Musik, reich an Melodien und...
Der Pfad ins Paradies, wir wissen es spätestens seit Erscheinen von Dante Alighieris «Divina Commedia», einem der maßgeblichen Texte der europäischen Kulturgeschichte, ist verschlungen, steinig und steil. Und er führt, jedenfalls bei Dante, durch die Hölle und das Fegefeuer. Wer das ersehnte Elysium (welcher Provenienz auch immer es sein mag) wirklich ohne Wunden...
Gott, welch Dunkel hier! Als wären wir zu Gast im Schattenreich der Nyx, wo totale Finsternis herrscht, Licht nur in seiner trübseligsten Form Zugang zu finden vermag (und singende Kinder gar keinen Zutritt haben) und wo nun auch die Untoten das Sagen haben. Schon vor dem ersten Ton sieht man sie hin und her schleichen um die «Kirche des Gewesenen» – entleerte...
