Liebevoll-achtsam
Mit Vertrauen in Libretto und Musik, erzählt aus der Entstehungszeit heraus und trotzdem auch heute verständlich: Das ist diese von Dirk Löschner inszenierte Zwickauer Puccini-«Bohème» – ein Abend, um tief durchzuatmen. Es gibt sie also noch, die einfachen Dinge, und das sogar auf deutschsprachigen Bühnen.
Keine verquasten Mätzchen, keine Ambitionen, das Publikum belehrend auf den richtigen Pfad zu führen und ein bisschen die Welt oder wenigstens das Klima zu retten, sondern schlicht: anständiges, gutes Musiktheater – und am Ende vielleicht sogar näher am Hier und Heute, als es beim ersten Draufblick scheint. Schließlich gibt es nach wie vor sozial randständige Künstler-WGs, und abzüglich der bösen Schwindsucht und der Tatsache, dass schneidend kalte Winter ausbleiben, können sich Konstellationen wie die im Pariser Intellektuellen-Rückzugskämmerlein auch im 21. Jahrhundert immer noch ergeben.
Nur am Schluss der Oper weichen Löschner und sein Team vom geradlinigen Verlauf der Geschichte ab. Mimì stirbt nicht im Zimmer, sondern macht mit der Metapher vom Loslassen ernst, entweicht ins Freie und bläst dort ihre brennende Kerze aus: Lucia, die Lichtbringerin (dass das ihr eigentlicher ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerald Felber
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Die Kinderstube von Prinz und Prinzessin verrät den Parvenü-Zaren. Statt pädagogisch hochwertigem Holzspielzeug sieht man einen Haufen inflationäres Plastik. Einzelstücke zieren sonst die Kinderzimmer eher bildungsferner Schichten. Die maßlose Häufung im Kreml weist den «Herrscher aller Reußen» als sozialen Aufsteiger und Neureichen von zudem zweifelhafter...
Es ist nur ein «Schattenbild». Doch ein vielsagend-mehrdeutiges. Es zeigt den Dirigenten (nicht den Komponisten) Gustav Mahler, in vielen verschiedenen Posen und Positionen, bei seiner «Arbeit»; mal wild fuchtelnd, mal herrisch gebietend; mal mahnend, mal insistierend; mal drängend, mal distanzierend. Man kommt nicht umhin, in dieser liebevollen, posthum erstellten...
