Liebevoll-achtsam
Mit Vertrauen in Libretto und Musik, erzählt aus der Entstehungszeit heraus und trotzdem auch heute verständlich: Das ist diese von Dirk Löschner inszenierte Zwickauer Puccini-«Bohème» – ein Abend, um tief durchzuatmen. Es gibt sie also noch, die einfachen Dinge, und das sogar auf deutschsprachigen Bühnen.
Keine verquasten Mätzchen, keine Ambitionen, das Publikum belehrend auf den richtigen Pfad zu führen und ein bisschen die Welt oder wenigstens das Klima zu retten, sondern schlicht: anständiges, gutes Musiktheater – und am Ende vielleicht sogar näher am Hier und Heute, als es beim ersten Draufblick scheint. Schließlich gibt es nach wie vor sozial randständige Künstler-WGs, und abzüglich der bösen Schwindsucht und der Tatsache, dass schneidend kalte Winter ausbleiben, können sich Konstellationen wie die im Pariser Intellektuellen-Rückzugskämmerlein auch im 21. Jahrhundert immer noch ergeben.
Nur am Schluss der Oper weichen Löschner und sein Team vom geradlinigen Verlauf der Geschichte ab. Mimì stirbt nicht im Zimmer, sondern macht mit der Metapher vom Loslassen ernst, entweicht ins Freie und bläst dort ihre brennende Kerze aus: Lucia, die Lichtbringerin (dass das ihr eigentlicher ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerald Felber
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Nach der Pause geht die halbe Reihe hinter uns geschlossen nach Hause. Als ob die Musik von Benjamin Britten 80 Jahre nach der Uraufführung von «Peter Grimes» noch anecken würde. Oder empört im 21. Jahrhundert ernsthaft das moralisch Graue? An der Umsetzung kann dieser Unmut nicht liegen. Robin Davis, der neue GMD der Bielefelder Philharmoniker, zeigt, dass Britten...
Mögen auch gleich drei der beteiligten Damen, die echte Barbara Delacqua sowie zwei strategisch eingesetzte Doppelgängerinnen, im Minirock des klassischen Supergirl-Outfits stecken, so haben sie doch die Hosen an in dieser Neuinszenierung der «Nacht in Venedig» durch Nina Spijkers, mit deren Premiere das Haus am Gürtel den 200. Geburtstag von Johann Strauß (Sohn)...
