TRÈS CHARMANT

Messager: Fortunio NANCY | OPÉRA NATIONAL DE LORRAINE

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Eine Frau, zwei Männer – da freut sich der dritte. Jacqueline, Gemahlin des weißbärtigen, dauereifersüchtigen Notars Maître André, ist jung, très chic et très belle, erotisch unausgefüllt, weswegen sie den Avancen des Hauptmanns Clavaroche recht bald im Ehebett nachgibt, bevor sie ihn im Kleiderschrank verstecken muss. Fortunio wiederum, der gerade eine juristische Lehre im Haus begonnen hat, eigentlich aber ein dichtender Werther-Wiedergänger ist, hat sich beim ersten Blick in Jacqueline schockverliebt.

Irritiert bemerkt sie dies nach und nach; so viel Liebesleidenschaft («Verfügen Sie über mein Leben, es gehört Ihnen!») berührt sie. Da hat sie zwar gerade mit dem Liebhaber Clavaroche eine List eingefädelt, um ihren Mann zu täuschen (er soll denken, Fortunio schleiche als Nebenbuhler ums Haus), doch am Ende dieser comédie lyrique darf der juvenile Titelheld die Angebetete in die Arme schließen. 

Der Stoff, basierend auf einer Komödie von Alfred de Musset, ist so leicht gewirkt wie Jacquelines Musselin-Nachthemd, aber gleichzeitig nicht ohne Substanz, denn Fortunios zart-schüchterne Liebe, die am Schluss beinahe todessüchtige Züge annimmt, geht zu Herzen. Und das liegt am ...

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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Götz Thieme

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