Ohne Rast, ohne Ruh
Der Eiserne bleibt unten, präsentiert stoisch, unantastbar seine antikisierenden Schmuckmotive. Was braucht es auch Bilder, wenn Roland Kluttig die Ouvertüre zum «Fliegenden Holländer» dirigiert? Ein ganzer Ozean tobt ohnehin in der Fantasie, in immer neuen Wellen lässt Kluttig ihn anrollen, voll Wut und Wucht. Denen sich, unendlich langsam ausgekostet, zunächst, nur das «Erlösungsmotiv» entgegenstellt, um sich schließlich – man spielt die Fassung letzter Hand – durchzusetzen, als sei mit dieser Ouvertüre vom Orchester schon alles Nötige gesagt.
Alles jedenfalls, was Richard Wagner, sich mit diesem Werk selbst findend, danach lebenslang immer wieder sagen sollte, wollte: dass schicksalhafte Verkettung nur durchbrochen werden kann von einer Liebe, die selbst Schicksal ist, oft auch das der sich opfernden Frau.
«Eine unglaubliche Werktreue» hatte Regisseurin Sandra Leupold gegenüber dem «ORF» im Vorfeld der Premiere angekündigt. «Wir haben historische Kostüme, und wir zitieren das Originalbühnenbild der Fassung, die wir spielen.» Wie ironisch oder unironisch auch immer sie das meint: Der Abend sieht tatsächlich aus wie eine Produktion aus Vorregietheaterzeiten, der aber irgendwie ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Michael Stallknecht und Bernd Künzig
Richard Wagners «Parsifal» verlangt nicht das innovative, blechgepanzerte Orchester des «Rings» und keine konditionell grenzwertigen Gesangspartien à la Brünnhilde und Siegfried. Dennoch ist das «Bühnenweihfestspiel» mit seinem charakteristisch tiefgelegten Klang aus Streicher-Chiaroscuro und dominanten Männerstimmen (auch im Chor) ebenso offensichtlich für...
Der Versuch zurückzublicken, das lehrt der Mythos von Orpheus und Eurydike, kann mit dem endgültigen Tod enden. In der Inszenierung und Choreografie, die Pina Bausch von Christoph Willibald Glucks «Orpheus und Eurydike» entwarf, lässt sich das sogar bei zwei Paaren im selben Bild erleben. Schließlich bestand bei der Premiere im Jahr 1975 eine der Neuheiten darin,...
Kann das gut gehen? Nicht irgendeine, sondern die dänische Nationaloper als Produktion mit deutscher Textfassung auf die Bühne zu bringen? Und das so, dass der eigentümliche Wortwitz des Originals in der paarreimenden Übertragung gewahrt bleibt? In Leipzig, bei der Premiere von Carl Nielsens «Maskarade», stellt sich die Frage nach dem glücklichen Gelingen in einem...
