Ohne Rast, ohne Ruh
Der Eiserne bleibt unten, präsentiert stoisch, unantastbar seine antikisierenden Schmuckmotive. Was braucht es auch Bilder, wenn Roland Kluttig die Ouvertüre zum «Fliegenden Holländer» dirigiert? Ein ganzer Ozean tobt ohnehin in der Fantasie, in immer neuen Wellen lässt Kluttig ihn anrollen, voll Wut und Wucht. Denen sich, unendlich langsam ausgekostet, zunächst, nur das «Erlösungsmotiv» entgegenstellt, um sich schließlich – man spielt die Fassung letzter Hand – durchzusetzen, als sei mit dieser Ouvertüre vom Orchester schon alles Nötige gesagt.
Alles jedenfalls, was Richard Wagner, sich mit diesem Werk selbst findend, danach lebenslang immer wieder sagen sollte, wollte: dass schicksalhafte Verkettung nur durchbrochen werden kann von einer Liebe, die selbst Schicksal ist, oft auch das der sich opfernden Frau.
«Eine unglaubliche Werktreue» hatte Regisseurin Sandra Leupold gegenüber dem «ORF» im Vorfeld der Premiere angekündigt. «Wir haben historische Kostüme, und wir zitieren das Originalbühnenbild der Fassung, die wir spielen.» Wie ironisch oder unironisch auch immer sie das meint: Der Abend sieht tatsächlich aus wie eine Produktion aus Vorregietheaterzeiten, der aber irgendwie ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Michael Stallknecht und Bernd Künzig
Wie schwer es ist, über einen Komponisten zu schreiben, der selbst so sprachmächtig ist, dass man staunend nicht nur vor dem Werk, sondern auch vor den Worten ihres Schöpfers steht, das hat sich auch im Fall von Wolfgang Rihm wieder schmerzvoll bewahrheitet. Wie man ihm vielleicht näher kommt, ohne ihm zwanghaft nahe sein zu wollen – das wiederum beweist Lotte...
Oper light war gestern: Bei der Premiere von Gounods «Roméo et Juliette» wurde in Kaiserlautern wieder aus dem Vollen geschöpft: Rosarote Flamingos, glitzernde Kugelfische, Hummer, Libellen, schillernde Pfauen und anderes Getier rotierten in wildem Farbwirbel über die Bühne. Nach den vielen abgespeckten Kammerfassungen, die in den vergangenen zwei Jahren...
Es kann nicht gutgehen. Dieser Hermann ist ein hoffnungsloser Fall, ein einsamer Trinker, er gehört nicht dazu und läuft durch die Welt wie ein Wozzeck durch Sankt Petersburg. Beim fatalen Kartenspiel schaut er nur zu, und von der jungen Frau, die er anbetet, will er nicht einmal den Namen wissen, damit die Projektion nicht von der Wirklichkeit gestört wird. Und...
