Buch des Monats: ORCHIDEE IM EINMACHGLAS
Es ist seltsam. Es ist seltsam, ein Buch in die Hand zu nehmen, dessen Autor vor kurzem erst verstorben ist. Man sieht ihn vor sich, aber man weiß zugleich: Er ist nicht mehr da. Der Verlust, wenngleich kein persönlicher, wiegt schwer. Denn man verdankt diesem Autor (und Regisseur) etliche Stunden der Lust, der Heiterkeit, der politischen Auseinandersetzung, des Nachdenkens.
Nun liest man mit einem Mal (und völlig unvorbereitet), wie er sich in den letzten Jahren seines Lebens gefühlt, welche Kämpfe er ausgefochten hat, was ihm noch wichtig wurde, was weniger, und das mit einer Schonungslosigkeit sich selbst gegenüber, die frappiert.
Am 6. Februar 2022 ist der Menschen(ver)sucher Hans Neuenfels verstorben, wenig später erschien das Buch mit dem wunderbar ehrlichen Titel «Fast nackt». Es war sein Wunsch, dass dieses Buch veröffentlicht wird, wenngleich nicht unbedingt sein «letzter Wille». Neuenfels war sich bewusst, dass der Tod an seiner Tür kratzte. Aber er war immer schon ein Kämpfer für das Leben und das Lebenswerte wie Liebenswürdige daran. Das wird in den Texten, die in diesem Buch versammelt sind, fast kunterbunt und doch einem dramaturgischen Plan folgend, deutlich. ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: CD, DVDs, Bücher, Seite 41
von Jürgen Otten
Der Versuch zurückzublicken, das lehrt der Mythos von Orpheus und Eurydike, kann mit dem endgültigen Tod enden. In der Inszenierung und Choreografie, die Pina Bausch von Christoph Willibald Glucks «Orpheus und Eurydike» entwarf, lässt sich das sogar bei zwei Paaren im selben Bild erleben. Schließlich bestand bei der Premiere im Jahr 1975 eine der Neuheiten darin,...
Franz Schreker war sein eigener Librettist. So konnte er sein musikdramatisches Lebensthema noch kompakter an den Mann bringen: das Verhältnis von Traumwelt und Realwelt, das Mit- und Gegeneinander von Kunst und politischem, privat-lebensweltlichem Alltag. Seine Oper «Der Schatzgräber» entstand in den Jahren des Ersten Weltkriegs. Nach der Frankfurter Uraufführung...
Eine Frau, zwei Männer – da freut sich der dritte. Jacqueline, Gemahlin des weißbärtigen, dauereifersüchtigen Notars Maître André, ist jung, très chic et très belle, erotisch unausgefüllt, weswegen sie den Avancen des Hauptmanns Clavaroche recht bald im Ehebett nachgibt, bevor sie ihn im Kleiderschrank verstecken muss. Fortunio wiederum, der gerade eine juristische...
