Buch des Monats: ORCHIDEE IM EINMACHGLAS
Es ist seltsam. Es ist seltsam, ein Buch in die Hand zu nehmen, dessen Autor vor kurzem erst verstorben ist. Man sieht ihn vor sich, aber man weiß zugleich: Er ist nicht mehr da. Der Verlust, wenngleich kein persönlicher, wiegt schwer. Denn man verdankt diesem Autor (und Regisseur) etliche Stunden der Lust, der Heiterkeit, der politischen Auseinandersetzung, des Nachdenkens.
Nun liest man mit einem Mal (und völlig unvorbereitet), wie er sich in den letzten Jahren seines Lebens gefühlt, welche Kämpfe er ausgefochten hat, was ihm noch wichtig wurde, was weniger, und das mit einer Schonungslosigkeit sich selbst gegenüber, die frappiert.
Am 6. Februar 2022 ist der Menschen(ver)sucher Hans Neuenfels verstorben, wenig später erschien das Buch mit dem wunderbar ehrlichen Titel «Fast nackt». Es war sein Wunsch, dass dieses Buch veröffentlicht wird, wenngleich nicht unbedingt sein «letzter Wille». Neuenfels war sich bewusst, dass der Tod an seiner Tür kratzte. Aber er war immer schon ein Kämpfer für das Leben und das Lebenswerte wie Liebenswürdige daran. Das wird in den Texten, die in diesem Buch versammelt sind, fast kunterbunt und doch einem dramaturgischen Plan folgend, deutlich. ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: CD, DVDs, Bücher, Seite 41
von Jürgen Otten
Oper light war gestern: Bei der Premiere von Gounods «Roméo et Juliette» wurde in Kaiserlautern wieder aus dem Vollen geschöpft: Rosarote Flamingos, glitzernde Kugelfische, Hummer, Libellen, schillernde Pfauen und anderes Getier rotierten in wildem Farbwirbel über die Bühne. Nach den vielen abgespeckten Kammerfassungen, die in den vergangenen zwei Jahren...
Einen so prosaischen, beachtlich unmusikalischen Einstieg in Giuseppe Verdis Ägyptenoper «Aida» wie jetzt am Theater Chemnitz hat man noch nicht erlebt: Verdis Vorspiel schweigt, wenn der Vorhang sich öffnet und den Blick aufs pralle Bühnenleben freigibt. Sind wir im zweiten Bild von Puccinis «Bohème», im Menschentrubel des Pariser Quartier Latin? Bunt gewandete,...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Lange her ... In meiner Opernstudiozeit an der Bayerischen Staatsoper. Angela-Maria Blasi als Liù in «Turandot».
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
In Deutschland sollten wir lieber die bestehenden sanieren/renovieren. Aber klar … Ein Opernhaus auf dem Mond hätte was!
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
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