Buch des Monats: ORCHIDEE IM EINMACHGLAS
Es ist seltsam. Es ist seltsam, ein Buch in die Hand zu nehmen, dessen Autor vor kurzem erst verstorben ist. Man sieht ihn vor sich, aber man weiß zugleich: Er ist nicht mehr da. Der Verlust, wenngleich kein persönlicher, wiegt schwer. Denn man verdankt diesem Autor (und Regisseur) etliche Stunden der Lust, der Heiterkeit, der politischen Auseinandersetzung, des Nachdenkens.
Nun liest man mit einem Mal (und völlig unvorbereitet), wie er sich in den letzten Jahren seines Lebens gefühlt, welche Kämpfe er ausgefochten hat, was ihm noch wichtig wurde, was weniger, und das mit einer Schonungslosigkeit sich selbst gegenüber, die frappiert.
Am 6. Februar 2022 ist der Menschen(ver)sucher Hans Neuenfels verstorben, wenig später erschien das Buch mit dem wunderbar ehrlichen Titel «Fast nackt». Es war sein Wunsch, dass dieses Buch veröffentlicht wird, wenngleich nicht unbedingt sein «letzter Wille». Neuenfels war sich bewusst, dass der Tod an seiner Tür kratzte. Aber er war immer schon ein Kämpfer für das Leben und das Lebenswerte wie Liebenswürdige daran. Das wird in den Texten, die in diesem Buch versammelt sind, fast kunterbunt und doch einem dramaturgischen Plan folgend, deutlich. ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: CD, DVDs, Bücher, Seite 41
von Jürgen Otten
Die deutschen Opernhäuser arbeiten den in zwei Pandemiejahren aufgelaufenen Produktionsstau ab. Ursprünglich sollte Gaspare Spontinis «Fernand Cortez, ou la conquête du Mexique» im Mai 2020 herauskommen und zusammen mit Aubers «La muette de Portici» den Start des neuen Dortmunder «Rings» im Kontext von Wagners Vorläufern und Zeitgenossen flankieren. Während Peter...
Anlass, Datum und Ort waren mit Bedacht gewählt. Pünktlich zur alljährlich gefeierten Wiederauferstehung Jesu Christi, am Ostersonntag Anno Domini 1708, erlebte Georg Friedrich Händels Oratorium «La Resurrezione» seine prunkvolle Uraufführung in der ewigen Stadt. Im salone d'onore al piano nobile des Palazzo Bonelli war eigens dafür eine Bühne errichtet worden, an...
Über das Leben Jan Vermeers ist relativ wenig bekannt, die Spuren seiner Biografie verlieren sich im Dunkel. Seine Bildsprache hingegen kennen wir. Rund 35 Gemälde des Delfter Barockmalers sind überliefert, darunter auch das vermutlich populärste – «Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge». Als Inspirationsquelle diente Vermeer bereits seinem Landsmann, dem...
