Treffen sich zwei Königinnen
Nachtblauvioletter Stoff blitzt rechts in der Seitengasse, und bevor die Trägerin des dazugehörigen Kleides gänzlich auf der Bühne der Grieghalle erscheint, bricht frenetischer Jubel aus, der mehr ist als ein Willkommensgruß für Lise Davidsen (und Leif Ove Andsnes, ihren Partner am Klavier). Es ist eine Demonstration nationalen Stolzes, bevor ein Ton Musik erklungen ist. Jeder der 1600 Plätze ist besetzt – und das bei einem Liederabend. Zwei Musiker von Weltrang präsentiert das nach Fläche große, gemessen an der Bevölkerung, knapp 5,4 Millionen, kleine Norwegen.
Da gischt das nordische Temperament immer wieder auf nach Liedern von Grieg, Richard Strauss und Wagner. Im Mittelpunkt der Ovationen steht die hochgewachsene Sängerin, auch wenn sie den Beifall immer wieder auf Andsnes lenkt. Ihren mächtigen Sopran hat Davidsen besser als früher im Griff, berückend ihr piano. Und wenn sie in den Wesendonck-Liedern in der Mittellage Bögen auf Bögen setzt, ohne atmen zu müssen, dann gleicht das einem breiten, perlmuttfarbenen Strom. Ihre Diktion ist leicht verschleiert, was hier wenig stört, denn sie transformiert den Gestus des Textes in rein musikalische Affekte, Verzögerungen, rasche ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Götz Thieme
Vor fünf Jahren eröffnete im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt auf der Ile de Seguin der gigantische Musik- und Theaterkomplex «La Seine Musicale». Philippe Jaroussky mit seiner Académie Musicale und die Originalklang-Dirigentin Laurence Equilbey mit ihren Ensembles, dem Chor accentus und dem Insula orchestra, haben sich dort eingenistet. Das Programm bildet...
Was für ein Vergnügen. Auf der Bühne wird singend gespielt, dass sich die Bretter biegen. Im Graben wird Klang gegeben, dass es eine Art hat. Und im voll besetzten Zuschauerraum wird herzlich gelacht. Dabei ist das Stück 236 Jahre alt und spiegelt eine gesellschaftliche Konstellation, die es so nicht mehr gibt. Oder eventuell doch? Mozarts Buffa «Le nozze di...
arte
07.08. – 17.05 Uhr Mahler: Symphonie Nr. 6 «Die mit dem Hammer!» (Und Andris Nelsons am Pult der Wiener Philharmoniker. Ein Mitschnitt von den Salzburger Festspielen 2020). In seiner 6. Symphonie orientiert sich Mahler, nach seiner eher freien Handhabung der Symphonieform in den Werken davor, wieder stark am klassischen symphonischen Formmodell – es gibt nur...
