Treffen sich zwei
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold».
Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur prekär in der «letzte(n) umfassende(n) Geschichte vom Abendland, also unserer europäischen Zivilisation», wie Peter Konwitschny im Programmheft-Gespräch mit seiner Dramaturgin Bettina Bartz den «Ring des Nibelungen» nennt. Dass die Geschichte aus Wagners Musik geboren wird, das werden am Ende des «Siegfried» sechs Harfenistinnen auf dem Proszenium zeigen – sie saßen dort auch am Schluss der «Walküre».
Dabei ist Konwitschny laut eigener Aussage an Einheit nicht sonderlich gelegen, wenn er die letzte Geschichte nun zum ersten Mal vollständig erzählt. Das ist er sich schon als Regisseur der legendären «Götterdämmerung» aus dem Stuttgarter Vier-Regisseure-«Ring» schuldig, die 2025 in einem identischen Re-Staging den Dortmunder Zyklus beschließen soll. Dort arbeitet Konwitschny mit vier unterschiedlichen Bühnenbildnern ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
Michael Spyres begeistert und verzückt die Opernwelt seit vielen Jahren. Seine Stimme schwingt sich scheinbar mühelos in höchste Höhen auf, Koloraturen sprudeln nur so aus ihm heraus, Langstreckenopern wie Meyerbeers «Les Huguenots» oder Rossinis «Guillaume Tell» in der Urfassung bewältigt er mit nie versiegender Energie. Das Repertoire des 1979 geborenen Sängers...
Möglicherweise lassen sie jetzt T-Shirts drucken. «We made it!» könnte darauf stehen oder Ähnliches. Wagners «Ring» als niederbayerische Erstaufführung an den Landestheater-Spielstätten Landshut, Passau und Straubing, das ist die Everest-Bezwingung mit Flipflops und ohne Sauerstoffgerät. Doch das Team um den regieführenden Intendanten Stefan Tilch hat es in einem...
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel...
