Treffen sich zwei
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold».
Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur prekär in der «letzte(n) umfassende(n) Geschichte vom Abendland, also unserer europäischen Zivilisation», wie Peter Konwitschny im Programmheft-Gespräch mit seiner Dramaturgin Bettina Bartz den «Ring des Nibelungen» nennt. Dass die Geschichte aus Wagners Musik geboren wird, das werden am Ende des «Siegfried» sechs Harfenistinnen auf dem Proszenium zeigen – sie saßen dort auch am Schluss der «Walküre».
Dabei ist Konwitschny laut eigener Aussage an Einheit nicht sonderlich gelegen, wenn er die letzte Geschichte nun zum ersten Mal vollständig erzählt. Das ist er sich schon als Regisseur der legendären «Götterdämmerung» aus dem Stuttgarter Vier-Regisseure-«Ring» schuldig, die 2025 in einem identischen Re-Staging den Dortmunder Zyklus beschließen soll. Dort arbeitet Konwitschny mit vier unterschiedlichen Bühnenbildnern ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
Gleich zu Beginn seines philologisch ausgefeilten Begleittextes zur Aufnahme mit Mahlers «Lied von der Erde» stellt Peter Gülke eines unwiderruflich in den Raum: Die vorliegende Version für Klavier stelle «keine Vorstufe zur Orchesterfassung» dar, sie stehe «gleichberechtigt neben ihr». Damit nimmt der renommierte Musikwissenschaftler (und Dirigent) a priori all...
Vor vielen Monaten fand eine italienische Musikwissenschaftlerin eine noch unbekannte Oper von Gaetano Donizetti: «Dalinda» – in den ersten zwei Akten quasi deckungsgleich mit Donizettis «Lucrezia Borgia» (1833). Der Rest bis dato: verloren, ungehört. Die verspätete Uraufführung der «Dalinda» Mitte Mai im Konzerthaus Berlin: eine Sensation.
Statt mit der (per...
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel...
