Irrungen, Wirrungen
Entgegen der Erwartung lässt Regisseur Julien Chavaz Alices Reise durch das Wunderland (hier könnte das Stück auch «Alices Reise durch die bunt-psychedelische Wunderwelt» heißen) im Orchestergraben neben Dirigent Jérôme Kuhn beginnen.
In einem rasanten Tempo – Komponist Gerald Barry verbindet in nur knapp 60 Minuten die Schlüsselmomente beider «Alice»-Bücher miteinander – trifft die Protagonistin auf sämtliche bekannte Figuren, mit denen sie in scheinbar unzusammenhängenden, lose aneinandergereihten Episoden ihre Abenteuer erlebt: auf den verrückten Hutmacher, auf Dideldum (beide exzellent verkörpert von Adam Temple-Smith), auf Dideldei (Adrian Dwyer) und die Grinsekatze (als Puppenspiel erfindungsreich gestaltet von Doğukan Kuran). Alle 52 Rollen werden von lediglich sechs Personen gesungen – eine beeindruckende Leistung, allein schon was die zahlreichen, teilweise innerhalb von wenigen Takten stattfindenden Kostümwechsel angeht. Bühnenbildnerin Anneliese Neudecker hingegen nutzt zur kreativen Realisierung der schnellen Szenenwechsel die Drehbühne.
Dem periodischen Ablauf der wundersamen Szenen – Alice muss insgesamt acht «Felder» durchlaufen, um Königin der Wunderwelt zu werden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Franziska Jung
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel...
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold». Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur...
Mit der Eröffnung des venezianischen Teatro di San Cassiano im Jahr 1637 für ein zahlendes Publikum wurde aus der hochartifiziellen höfischen Oper eine öffentliche, kommerzialisierte Kunstform. Zu den ersten Komponisten, die diesen Weg einschlugen, gehörte neben Benedetto Ferrari, Francesco Manelli, Francesco Sacrati und dem greisen Monteverdi auch Francesco...
