Irrungen, Wirrungen

Barry: Alice’s Adventures Under Ground am Theater Magdeburg

Opernwelt - Logo

Entgegen der Erwartung lässt Regisseur Julien Chavaz Alices Reise durch das Wunderland (hier könnte das Stück auch «Alices Reise durch die bunt-psychedelische Wunderwelt» heißen) im Orchestergraben neben Dirigent Jérôme Kuhn beginnen.

In einem rasanten Tempo – Komponist Gerald Barry verbindet in nur knapp 60 Minuten die Schlüsselmomente beider «Alice»-Bücher miteinander – trifft die Protagonistin auf sämtliche bekannte Figuren, mit denen sie in scheinbar unzusammenhängenden, lose aneinandergereihten Episoden ihre Abenteuer erlebt: auf den verrückten Hutmacher, auf Dideldum (beide exzellent verkörpert von Adam Temple-Smith), auf Dideldei (Adrian Dwyer) und die Grinsekatze (als Puppenspiel erfindungsreich gestaltet von Doğukan Kuran). Alle 52 Rollen werden von lediglich sechs Personen gesungen – eine beeindruckende Leistung, allein schon was die zahlreichen, teilweise innerhalb von wenigen Takten stattfindenden Kostümwechsel angeht. Bühnenbildnerin Anneliese Neudecker hingegen nutzt zur kreativen Realisierung der schnellen Szenenwechsel die Drehbühne.

Dem periodischen Ablauf der wundersamen Szenen – Alice muss insgesamt acht «Felder» durchlaufen, um Königin der Wunderwelt zu werden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Franziska Jung

Weitere Beiträge
Bonjour Tristesse

Stille Nacht. Aber keine heilige. Eher eine traurige. Schon jene fünf Akkorde, mit denen Schuberts Lied «Der Doppelgänger» auf Verse von Heinrich Heine anhebt, verraten viel über die Stimmungslage des einsamen Wanderers, wie wir ihn (und sein meist leises Flehen) schon aus der «Winterreise» kennen. Die Liebste ist unerreichbar fern, das Leben ein einziger...

Gespenstersonate

Der Nebel kriecht aus den Poren der Zuschauertribüne über die weitgestreckte Bodenfläche der Alten Schildkrötfabrik, der Ausweichspielstätte des Nationaltheaters Mannheim. In diesen wabernden Schwaden ist alles unheimlich. Regisseurin Rahel Thiel nutzt das meteorologische Element als Hauptrolle, um Peter Maxwell Davies’ Kammeroper «The Lighthouse» über das...

Ein Sportstück

Die Herzen lassen sich nicht betrügen, aber Augentäuschungen zeigen sich allerorten. Von der Weihnachtsmärchen- geht es zur Barocktheaterillusion, vom Zimmer eines Riesen mit gigantischer Milchtüte der Hausmarke «si!» zum Schwetzinger Schlossgarten mit dem attraktiven Bild «Das Ende der Welt» am Ende eines Laubengangs. Selbst die tristen Pfeiler einer...