Die Entdeckung des Himmels
Kosmos Barockoper. Wo die Sänger Edelgas zu atmen scheinen, so silberhell leuchtend klingen ihre Stimmen. Wo der Koloraturen-Höhenrausch den Normalzustand bedeutet und Töne wie tausend kleine Messer blitzen. Wo die Figuren aber auch alles Schablonenhafte ablegen, nahbar, durchlässig werden.
Warum hören und sehen wir den Opernhelden eines Georg Friedrich Händel, um den prominentesten Vertreter des Genres zu nennen, so gerne zu, wenn sie in diesen kruden Geschichten zwischen ihren Affekten vulgo Gefühlsextremen hin und her schießen? Drei Produktionen in Köln, Halle und an der Komischen Oper Berlin finden je eigene, ästhetisch sehr unterschiedliche Antworten.
Im StaatenHaus Köln auf dem Messegelände untergebracht steht mit «Giulio Cesare in Egitto» (in der Inszenierung von Vincent Boussard) nicht nur Händels, sondern die vermutlich erfolgreichste Barockoper überhaupt auf dem Programm. Das Gürzenich-Orchester sitzt direkt vor der Bühne, von Rubén Dubrovsky, einem nicht nur bei Originalklangkörpern derzeit viel gefragten Barockexperten, auf phänomenale musikalische Höhen geführt: Mit seismografischer Empfindlichkeit und Präzision wird da auf das Bühnengeschehen reagiert. Dubrovsky ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Werner Kopfmüller
Die Begriffe «König» oder «Kaiser» lösen verschiedene Emotionen aus. Während die einen – durchaus mit Sympathie – beispielsweise an die britische Königsfamilie denken, verbinden vor allem die Menschen im (Nahen) Osten diese Worte mit Angst und Unterdrückung. Sie denken an skrupellose Machthaber, die ihr Volk tyrannisieren. Mozart sah in «seinem» Kaiser Titus (in...
Die Herzen lassen sich nicht betrügen, aber Augentäuschungen zeigen sich allerorten. Von der Weihnachtsmärchen- geht es zur Barocktheaterillusion, vom Zimmer eines Riesen mit gigantischer Milchtüte der Hausmarke «si!» zum Schwetzinger Schlossgarten mit dem attraktiven Bild «Das Ende der Welt» am Ende eines Laubengangs. Selbst die tristen Pfeiler einer...
So klingt die Sehnsucht, wenn sie utopisch ist: «Die blühenden Bäume verlieren die Blüten nicht mehr in dem ewigen Morgen ...» Hilde Domin schrieb diesen Vers im Exil der Dominikanischen Republik, ihrer «Inselkäfigexistenz». Zugleich sind es die letzten Worte jenes Zyklus aus sieben Liedern für Frauenstimme, den Stefan Heucke (unter dem Titel «Dennoch») auf Texte...
