Ans Herz gegriffen
Der Tod kommt in Puccinis «La Bohème» erbarmungslos schlicht daher: ein knapper Harmoniewechsel ohne Trost und Verklärung. Als Mimì stirbt, fällt sie einfach vom Stuhl und bleibt zusammengekrümmt in der Mitte der Bühne liegen. Rodolfo und seine Künstlerfreunde werden in Hans Walter Richters Inszenierung mit der gesamten Kulisse von ihr weggerissen und ins Bühnen-Off gezogen. Ein eindrucksvolles Bild, das die unüberwindliche Kluft zwischen den Lebenden und den Toten deutlich macht.
Der Regisseur weiß, wo er ansetzen muss, um ans Herz zu greifen, ohne ins Sentimentale abzugleiten.
Die von Henri Burgers Roman «Scènes de la vie de Bohème» inspirierte Oper ist die wohl tränentreibendste des gesamten Repertoires, doch scheint ihr emotionaler Brennwert in Richters Deutung noch einmal gesteigert. Dabei verweigert der Regisseur konsequent alle Zutaten des modernen Regietheaters. Keine Aktualisierung, keine psychologisierende Symbolik, keine Erweiterung der Erzähldimension. Stattdessen setzen der Regisseur und sein Ausstatter Bernhard Bruchhardt auf ein traditionelles Bühnen- und Kostümbild in der naturalistischen Ästhetik vergangener Jahrzehnte. An den schmutzigen Wänden der ärmlichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Silvia Adler
Zur ohnehin spannungsgeladenen Handlung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» tritt eine reale Ungewissheit hinzu: Riccardo Chailly musste die zweite Vorstellung nach einem plötzlichen Unwohlsein abbrechen. Die dritte Aufführung jedoch leitet er wieder, und das so packend, dass die musikalische Seite den eigentlichen Kern dieser Saisoneröffnung an der...
Im vergangenen Februar wurde die Produktion nochmals dem Fundus entrissen. Für Tenorissimo Michael Spyres, der an der Donau seinen ersten Florestan sang – malerisch zerlumpt, wie es in Otto Schenks Regie-Oldtimer so Sitte war. Wobei Regie: Von diesem «Fidelio» war ohnehin nur noch die Kulissenhülle eines Günther Schneider-Siemssen übrig. 55 Jahre hatte die...
Satte 61 leere Quinten, das ist viel Holz. Aber so hat es Franz Schubert für das letzte Stück aus seiner «Winterreise» auf Verse Wilhelm Müllers gewollt, natürlich nicht ohne zureichenden Grund. Der Tod lugt um die Ecken, und das weiß auch der Wanderer am Ende seiner frostigen Unternehmung, die ihn an diesen unwirtlichen Ort geführt hat.
Wenn nun Johannes Martin...
