Traurige Tropen
Die Botschaft ist eindeutig: «Beautiful, beautiful, beautiful!», singen sechs elegant gekleidete Herren mit Fliege und Hosenträger. Wie die Geier umkreisen sie eine Frau, die an einem grell beleuchteten Schminktisch sitzt und weint. Ihr ikonisches Konterfei? Die platinblonde, in voluminösen Wellen gestylte Bobfrisur und ein knallroter Kussmund lassen keine Zweifel zu: Es handelt sich um Hollywood-Legende Marilyn Monroe, die dieses Jahr 100 geworden wäre.
Die Bewunderung des smarten Herren-Sextetts schlägt schnell in Übergriffigkeit um: Sabbernd beschnüffeln und betasten sie die Ärmste, wühlen sich durch die vielen Schichten ihres Kleids, während sich das Opfer der Begierde ängstlich auf dem Boden krümmt: Everybody wants a piece of Marilyn.
Die 2013 entstandene Kammeroper «Marilyn Forever» des britischen Komponisten Gavin Bryars widmet sich der widersprüchlichen Beziehung zwischen Marilyn Monroe und der Öffentlichkeit, von der sie einerseits zur Göttin idealisiert und andererseits aufs Schlimmste missbraucht wird. «Sometimes I feel unreal», beklagt sich Marilyn, die im Laufe des etwa 60-minütigen Stücks im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters mehrere Outfit-Wechsel ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Anna Schors
Das Kino hat die Oper beerbt. So zumindest sieht es der Regisseur Davide Livermore, der aus musikgestützten Bühnenwerken gern opulente Bühnen-Filme im Breitwandformat macht. Folgerichtig verwandelt sich Händels «Giulio Cesare» in einen Thriller à la «Tod auf dem Nil». Tolomeo ist monarchischer Eigner eines gleichnamigen Luxusdampfers aus den 1920er-Jahren, sprich:...
Das war zu erwarten: Trump und Musk als Opernbösewichte, ihre Machenschaften als Parabeln für Machtmissbrauch und Verführung der Massen. Bei Aristophanes heißen sie Peis -thetairos und Euelpides, Braunfels hat sie philologisch korrekt in Ratefreund und Hoffegut umbenannt, aber sonst wenig Ehrfurcht gezeigt, indem er 1920 die zweieinhalb Jahrtausende alte Komödie in...
Alle reden immer vom Anfang, von jener mythisch überladenen Ursuppe, aus der heraus die Musik zu «Rheingold» erwächst, in erst zarten, dann imposant sich zu überirdischer Schönheit auftürmenden Es-Dur-Wellen emporsteigt. Dabei ist das Ende dieses Musikdramas, mit dem die ganze Götterdämmerung einsetzt (obwohl die Tetralogie ja erkennbar von uns Menschen handelt)...
