Traurige Tropen
Die Botschaft ist eindeutig: «Beautiful, beautiful, beautiful!», singen sechs elegant gekleidete Herren mit Fliege und Hosenträger. Wie die Geier umkreisen sie eine Frau, die an einem grell beleuchteten Schminktisch sitzt und weint. Ihr ikonisches Konterfei? Die platinblonde, in voluminösen Wellen gestylte Bobfrisur und ein knallroter Kussmund lassen keine Zweifel zu: Es handelt sich um Hollywood-Legende Marilyn Monroe, die dieses Jahr 100 geworden wäre.
Die Bewunderung des smarten Herren-Sextetts schlägt schnell in Übergriffigkeit um: Sabbernd beschnüffeln und betasten sie die Ärmste, wühlen sich durch die vielen Schichten ihres Kleids, während sich das Opfer der Begierde ängstlich auf dem Boden krümmt: Everybody wants a piece of Marilyn.
Die 2013 entstandene Kammeroper «Marilyn Forever» des britischen Komponisten Gavin Bryars widmet sich der widersprüchlichen Beziehung zwischen Marilyn Monroe und der Öffentlichkeit, von der sie einerseits zur Göttin idealisiert und andererseits aufs Schlimmste missbraucht wird. «Sometimes I feel unreal», beklagt sich Marilyn, die im Laufe des etwa 60-minütigen Stücks im Kleinen Haus des Braunschweiger Staatstheaters mehrere Outfit-Wechsel ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Anna Schors
Die Schwierigkeiten, Beethovens «Fidelio» zu inszenieren, werden von der Güte der Musik und der Berühmtheit des Urhebers regelmäßig weggeschwemmt. Die Schwierigkeiten liegen darin, dass auf der Bühne viel weniger passiert, als uns die Musik verspricht. Und wenn etwas passiert, passiert eigentlich immer noch so gut wie nichts. Schließlich geht alles gut aus – so...
Befehle werden singend erteilt, über Politik im Duett verhandelt», spöttelt der «Capriccio»-Graf über die Oper. Wer, so wie er, die Kunstform als «absurdes Ding» abtun will, macht sich nicht zuletzt gern über Sterbearien lustig: Der musikalisch nach Belieben gedehnte, expressiv ausgeschöpfte Moment ist es, der einer rein rationalen, also eingeschränkten Sichtweise...
An Selbstbewusstsein scheint es Barbara Strozzi, der wohl bedeutendsten Komponistin des italienischen Frühbarock, nicht gefehlt zu haben. Denn gleich ihr erstes, 1644 im Druck erschienenes Madrigalbuch eröffnet sie mit einem Sonett in der Hoffnung, «vielleicht als neue Sappho begrüßt zu werden». Als «virtuosissima cantatrice» (so Nicolò Fontei schon 1635 in einer...
