Manchmal leuchten die Sterne eben doch
Das Geständnis ist kurz. Kaum zwei Minuten dauert die schwärmerische B-Dur-Arie «Donna non vidi mai simile a questa!», in der Des Grieux mit lakonischen Worten erklärt, dass er noch nie eine solche Frau gesehen habe – und dass er sich ohne Umschweife heillos in sie verliebt habe: «Io t’amo.» Ihre Stimme ist es zuallererst, die ihn im Innersten berührt, dabei hatte sie ihm doch nur ganz schlicht ihren Namen genannt: «Manon Lescaut mi chiamo.
» Von ihrer Anmut, ihrem unschuldig sanften Duft der Verführung, ja, ihrer Schönheit, singt er nun, ohne selbst noch die Begriffe dafür zu finden, aber mit der staunenden Wiederholung der dann immer wieder leit -motivisch auftauchenden Namensnennung. Manon verzaubert Des Grieux. Und mehr ahnungsvoll als vom tödlichen Risiko dieser Leidenschaft wissend, schwingt er sich con slancio auf ein ekstatisches hohes B auf, nachdem er zuvor dolcissimo é pianissimo darum gefleht hatte, das sussurro gentil der Geliebten, ihr sanftes Säuseln, möge niemals aufhören.
In magischen Momenten wie diesen, die nur die Oper kennt, verdichtet sich beim Frühlingsfestival der Opéra National de Lyon, was als Motto alle drei Produktionen überwölbt: «Parier sur la beauté.» ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Peter Krause
Nach einem halben Jahr kommt wieder ein Korb voller Überraschungen aus London: mit dem siebten Album der Gesamtaufnahme von Donizettis Sololiedern. Für den krönenden Abschluss des Opera Rara-Projekts fehlt nur noch eine Aufnahme; diese sollte im Herbst erscheinen.
Man stelle sich vor, kürzlich habe eine Spürnase in einem abgelegenen Kloster 15 völlig unbekannte...
Lauter schwierige Patienten», hieß mal eine Gesprächsreihe im Fernsehen des SWR, in der Marcel Reich-Ranicki gemeinsam mit Peter Voß schwer einsortierbare Autoren behandelte. Erich Kästner gehörte dazu, Inge -borg Bachmann, Golo Mann. Wäre es in dieser Sendereihe um Komponisten gegangen, hätte César Franck wohl einen festen Platz gehabt: ein Mann, der nahezu...
Als der Würfel gefallen war, hatte er keine Wahl mehr. Alle Türen zu, keine Optionen, nirgends. Und wer weiß, ob nicht Markus Hinterhäuser in diesem Moment, als ihm klar wurde, dass er nicht länger Intendant der Salzburger Festspiele bleiben würde, Wotans Satz in den Sinn gelangte: «Nur eines noch will ich – das Ende.» Andere wiederum, die dem gestürzten König von...
