Manchmal leuchten die Sterne eben doch
Das Geständnis ist kurz. Kaum zwei Minuten dauert die schwärmerische B-Dur-Arie «Donna non vidi mai simile a questa!», in der Des Grieux mit lakonischen Worten erklärt, dass er noch nie eine solche Frau gesehen habe – und dass er sich ohne Umschweife heillos in sie verliebt habe: «Io t’amo.» Ihre Stimme ist es zuallererst, die ihn im Innersten berührt, dabei hatte sie ihm doch nur ganz schlicht ihren Namen genannt: «Manon Lescaut mi chiamo.
» Von ihrer Anmut, ihrem unschuldig sanften Duft der Verführung, ja, ihrer Schönheit, singt er nun, ohne selbst noch die Begriffe dafür zu finden, aber mit der staunenden Wiederholung der dann immer wieder leit -motivisch auftauchenden Namensnennung. Manon verzaubert Des Grieux. Und mehr ahnungsvoll als vom tödlichen Risiko dieser Leidenschaft wissend, schwingt er sich con slancio auf ein ekstatisches hohes B auf, nachdem er zuvor dolcissimo é pianissimo darum gefleht hatte, das sussurro gentil der Geliebten, ihr sanftes Säuseln, möge niemals aufhören.
In magischen Momenten wie diesen, die nur die Oper kennt, verdichtet sich beim Frühlingsfestival der Opéra National de Lyon, was als Motto alle drei Produktionen überwölbt: «Parier sur la beauté.» ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Peter Krause
Nicola Porpora ist vor allem als Gesanglehrer zweier weltberühmter Kastraten, Cafarelli und Farinelli, in Erinnerung geblieben. Für sie schrieb er die Partien des Ulisse und des Aci im «Polifemo», seiner bekanntesten Oper, die 1735 in der mit Händels Opernakademie konkurrierenden Londoner Adelsoper zur Uraufführung kam. Mit dem begnadeten Melodiker und...
Alle reden immer vom Anfang, von jener mythisch überladenen Ursuppe, aus der heraus die Musik zu «Rheingold» erwächst, in erst zarten, dann imposant sich zu überirdischer Schönheit auftürmenden Es-Dur-Wellen emporsteigt. Dabei ist das Ende dieses Musikdramas, mit dem die ganze Götterdämmerung einsetzt (obwohl die Tetralogie ja erkennbar von uns Menschen handelt)...
JUBILARE
Ingeborg Hallstein, die am 23. Mai ihren 90. Geburtstag feiert, kam in München zur Welt und erhielt ersten Gesangsunterricht bei ihrer Mutter, der Sopranistin und Gesangspädagogin Elisabeth Hallstein. Nach weiteren Gesangsund Schauspielstudien debütierte sie 1958 in Passau als Musette in Puccinis «La Bohème». Es folgten Engagements am Theater Basel und am...
