Traumlandschaften in Trümmern
Nichts gegen Lüdenscheid. Lüdenscheid ist eine hübsche Bergstadt im nordwestlichen Teil des Sauerlandes, mit einem historischen Stadtkern, beschaulichen Kirchen und viel Natur drumherum. Es ist aber auch Synonym für eine Kunst, die aus dem Provinziellen nicht herausfindet, die sich im Grunde begnügt mit dem Wenigen, was sie zu bieten hat, und sich vielleicht sogar ein bisschen darin gefällt, keinen weiterreichenden ästhetischen oder politischen Diskurs zu führen.
Und genau das ist der Eindruck, den man nach mehr als zwei Stunden Sinnenbeschimpfung in der Jahrhunderthalle Bochum gewinnen muss, bei der offiziellen Eröffnung der Ruhrtriennale 2026.
Intendant Ivo van Hove, der das Festival ein letztes Mal anleitet, inszeniert sein Stück «Rebel, Rebel» eigenhändig. Aber was heißt schon «inszeniert»? Fast sorglos tappt der Regisseur in die Adorno-Falle, weil er außer Acht lässt, dass Kunst erst dadurch eminent sozial wird, indem sie alle soziale Bindung negiert. Hier geschieht das Gegenteil. Van Hove huldigt seinem Idol David Bowie, um die Differenz zweier Lebenswirklichkeiten zu demonstrieren, mit unverhohlenem Lärm, will sagen: ungefiltert. Der Schock, dem er uns damit aussetzen will, ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 34
von Jürgen Otten, Richard Lorber
JUBILARE
Am 7. November feiert Dame Gwyneth Jones ihren 90. Geburtstag. Die Waliserin studierte in London, Siena und Zürich; am dortigen Stadttheater erhielt sie ihr erstes Engagement. Zunächst Mezzosopran wechselte Jones recht bald ins Sopranfach. 1964 debütierte sie als Leonore an Covent Garden in London. In derselben Rolle gab sie zwei Jahre später ihr Debüt an...
Sie lassen Böses erahnen, diese olivgrün gewandeten, in schusssicheren Westen steckenden Ritter, die Landgraf Hermann am Ende des ersten Aufzugs auf der Jagd erneut mit dem lange vermissten Sänger Tannhäuser zusammenführt. Mit den Mitgliedern dieses singenden Schützenvereins ist nicht zu spaßen, was im zweiten Aufzug auf der Wartburg alsbald klar zutage tritt. In...
Der Ton von Mahlers Liedern ist einzigartig in der Musik des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Auf den jungen Anton Webern machten sie «förmlich einen kindlichen Eindruck» – kunstvolle Naivität, die in ihrer scheinbaren Simplizität, ihrem Schwanken zwischen Sentimentalität und Nüchternheit, Subjektivität und Ironie ganz bodenständig volkstümlich wirkt und zugleich in...
