Trauma, Trance und Terror

Das Deutsche Nationaltheater Weimar verwandelt Korngolds «Tote Stadt» in einen Psychothriller und bringt Ben Frosts Oper «Der Mordfall Halit Yozgat» in Erinnerung

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Es muss Außergewöhnliches, ja, Einzigartiges anstehen, wenn ein Komponist mitten im Stück nicht nur Tonund Taktart wechselt, sondern dazu noch drei Fermaten und direkt davor ein morendo notiert. Still also muss es sein, nein: sterbensstill, bevor Fritz, der Pierrot, sein Loreley-Lied «Mein Sehnen, mein Wähnen» anstimmt, in geheiligtem Des-Dur und süß-sahnigstem pianissimo.

Eine Hommage von unerhörter Schönheit ist’s oder, wie es in der Partitur zu Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» heißt, eine «langsame sentimentale Tanzweise» im wiegenden Dreivierteltakt. Wenn man so will auch eine Reise in die Nichtvergangenheit, ins nahe wie ferne Utopia, dorthin, wo die Liebe noch lohnt, wo sie zugleich an das Schlussduett zwischen Sophie und Octavian aus dem «Rosenkavalier» von  Strauss gemahnt: «Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein».

Regisseur Dorian Dreher nimmt der Romanze in Weimar nicht nur ihren zarten Zauber, weil er sie ins Burleske überführt, er versteht auch die Hofmannsthal’sche Sentenz wörtlich. Anders gesagt: Dreher glaubt der Geschichte, so, wie sie geschrieben steht, einfach nicht. Der Pierrot Fritz ist bei ihm, auch als «Freund» Frank, ein lüsterner Pfaffe, der ...

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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten

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