Speil, Spaß und das reale Leben
Die Insel war eines ihrer Lieblingsspiele. Alles was man sich nur wünschen und vorstellen konnte, gab es auf ihrer Insel. Manchmal glaubte Philip fast, daß sie wirklich existierte; dort war er der König und Ellen die Königin, und kein anderer durfte sie betreten – sie gehörte ihnen allein.» («Die verzauberte Stadt», Edith Nesbit 1858–1924)
Kinder denken oft in Spielen, denn die Belohnung des Spielens ist Spaß. Spielen bezieht sich auf spezifische Aktionen innerhalb eines Regelwerkes.
Spaß bei der Ausführung dieser Aktionen kommt vor allem auf, wenn das Regelwerk nicht beachtet werden muss. Das Regelwerk ist meist an ein fiktives Narrativ gekoppelt, bezieht sich aber, um Relevanz zu gewinnen, irgendwie auf die Realität. Genau wie bei Philipp und seiner Mutter in der Familienoper «Die verzauberte Stadt», wenn sie Insel spielen. Insofern gleichen sich der Kinderspielplatz und das Theater: Sie sind Übungsplätze für das «reale» Leben.
Mit dem «realen» Leben hat Philipp aus «Die verzauberte Stadt» (Uraufführung am 31. Mai 2026 im Aalto-Theater Essen) zu kämpfen. Nachdem er allein mit seiner Mutter (Helen) aufgewachsen ist, kommt ein neuer Mann (Peter) mit eigener Tochter (Lucy) ins ...
ZUKUNFTSMUSIK
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Samuel Penderbayne
Nur in den ersten paar Vorspieltakten hat die gute Seel’ noch Ruh’; danach hebt im Innern der gotischen Ruine lebhaftes Pilger- und Touristentreiben an, und von diesem Punkt an wird Wagners Musikdrama, eigentlich eines der am bedächtigsten atmenden der Bühnengeschichte, konsequent zerzappelt und zerdaddelt. «Sankt Parsifal» soll die zerbröckelnde Abtei laut...
JUBILARE
Ingeborg Hallstein, die am 23. Mai ihren 90. Geburtstag feiert, kam in München zur Welt und erhielt ersten Gesangsunterricht bei ihrer Mutter, der Sopranistin und Gesangspädagogin Elisabeth Hallstein. Nach weiteren Gesangsund Schauspielstudien debütierte sie 1958 in Passau als Musette in Puccinis «La Bohème». Es folgten Engagements am Theater Basel und am...
Die Frage nach seinem Namen muss man sich nicht verkneifen. Mazeppa, der Held dieser Oper, hat Lohengrin etwas voraus. In der Frage der Herkunft allerdings geben beide ihrer Umwelt Rätsel auf. Hier der Ritter, dort der Judas, diese beiden trennen Welten – auch wenn es im einen wie im anderen Opernfall eine Frau gibt, die zum geheimnisumwölkten Mann hält. Die dunkle...
