Tragödie des Zweifels
Interessante Selbsteinschätzung: «Ich bin beständig wie der Nordstern / Von jener wahren festen und ruhenden Qualität / Es gibt keinen anderen am Firmament. / Der Himmel ist mit unzähligen Funken bemalt. Sie sind alle schön, und jeder leuchtet; / Aber es gibt nur einen in allen, der seinen Platz hält. / Ich bin derjenige, der sich nicht bewegen kann.» So sagt und glaubt es Julius Cäsar. Ohne den Nordstern kennt der Seemann seinen Weg nicht mehr.
Ohne ihn, den vom Volk vergötterten, starken Mann, der eine Bedrohung für die republikanischen Institutionen darstellt, verlieren seine Mörder die Orientierung. Einer nach dem anderen wird am Ende aufgrund seiner Schuldgefühle Selbstmord begehen.
Nach «Richard III.», einem Auftragswerk der Opera Vlaanderen (2004), kehrt Giorgio Battistelli mit «Julius Caesar» zu William Shakespeare zurück. Seine jüngste Oper eröffnete die Spielzeit des Teatro dell’Opera di Roma, und das erfolgreich. Zu danken war dies nicht nur der hohen Qualität des Werks selbst, sondern auch der musikalischen Leitung von Daniele Gatti, der das Orchester des Theaters zur Hochform brachte, und einem hervorragenden Sängerensemble, insbesondere Clive Bayley (Caesar), Elliot ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Stefano Nardelli
Es ist weder die Frauenkirche noch das Maximilianeum, nicht einmal das Dach des benachbarten Nationaltheaters. Wenn Vladimir Jurowski aus seinem Büro schaut , blickt er auf Balkone vor schicken Wohnungen. «Wahrscheinlich wohnt da gar keiner», sagt er schulterzuckend. Anlageobjekte also? Auch diese Aussicht wäre damit typisch münchnerisch.
Wie man sieht, muss sich...
Seit dem Amtsantritt von Yannick Nézet-Séguin als Musikdirektor der Metropolitan Opera in der Saison 2018/19 legt das Haus – in diesen Dingen seit Mitte der 1930er-Jahre unbeständig und erst seit einigen Jahren langsam wieder im Aufwind – erkennbar größeren Wert auf die zeitgenössische Musik. Nach der Saisoneröffnung mit «Fire Shut Up in My Bones» von Terence...
Über die Frage, was der Mensch sei, haben sich Legionen von Dichtern und Denkern das Hirn zerdrückt. Immerhin eines aber konnte konstatiert werden: Die Krone der Schöpfung ist der homo sapiens sapiens, wie es wissenschaftlich korrekt heißt, vermutlich eher nicht. Auch kein Schwein, wie der (charakterlich zweifelhafte, lyrisch große) Gottfried Benn vermutete....
