Hänsel und Gräte
Eine Frau ist schwanger. Sie und ihr Lebensgefährte finden keine Bleibe. Dafür sterben aus Rache und/oder Verzweiflung ein paar der Leute, die nicht geholfen haben. Der Lebensgefährte ist offenbar der Täter und wird gehängt. Klingt banal, gibt es aber jetzt als Oper.
Die «Idee» zur «Handlung» der zweieinhalbstündigen Oper «Sleepless» von Péter Eötvös geht auf die Lektüre des ersten Bandes der «Trilogie» des norwegischen Autors Jon Fosse aus dem Jahr 2008 zurück.
Das Drama um das junge, arme, kindserwartende Paar Alida und Asle ist im Original möglicherweise voller Traurigkeit – und vor allem voller eindrücklicher Schilderungen von entweder unfreundlichen, sexuell aufdringlichen oder ständig besoffenen Norwegerinnen und Norwegern. Von dieser – Jon Fosse vorsichtshalber unterstellten – literarischen Subtilität ist in der Umsetzung bei Eötvös so gut wie nichts übriggeblieben. Wieder einmal geht die Bühnenadaption eines beliebten Romans aus jüngster Zeit in die – fischige – Hose. Menschliche Regungen, Charakterzüge, feine Zwischentöne der Kommunikation und Empathie ermöglichende Gefühlsbeschreibungen fallen komplett weg. Alles wird aalglattes Abziehbild und barsche Banalität. Franz ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Arno Lücker
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Interessante Selbsteinschätzung: «Ich bin beständig wie der Nordstern / Von jener wahren festen und ruhenden Qualität / Es gibt keinen anderen am Firmament. / Der Himmel ist mit unzähligen Funken bemalt. Sie sind alle schön, und jeder leuchtet; / Aber es gibt nur einen in allen, der seinen Platz hält. / Ich bin derjenige, der sich nicht bewegen kann.» So sagt und...
Ihre erste Saison als Künstlerische Leiterin des Wexford Festivals verlief für Rosetta Cucchi alles andere als optimal: Wegen der Pandemie wurden sämtliche Produktionen gecancelt. Erst in diesem Jahr konnte die italienische Regisseurin die meisten der 2020 geplanten Stücke, die zum Großteil um das Thema «Shakespeare» kreisten, präsentieren. Zwei Wermutstropfen: Die...
